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tete er, einen ſchweren Fall in's Waſſer zu hören. Jedes Rauſchen des Windes jagte ihn geſchreckt empor. Da glaubte er plötzlich am jenſeitigen Ufer ein lautes Rufen zu vernehmen. Raſch ſprang er auf und trat vor die Thüre der Hütte, und wirklich:„Holüber!“ erſcholl
S es klar und deutlich durch die ſtille Nacht. Das Echo in den Felſen 4 ſprach es vernehmlich nach. Dem Fiſcher rollte ein Stein vom Herzen, als er die Stimme ſeines jungen Gaſtes erkannte. Er eilte in's Boot und ruderte mit aller Kraft hinüber. Eh' er jedoch an's Land ſprang und den jungen Mann einnahm, reichte er ihm die Hand, und nach⸗ dem er gefühlt, dieſelbe ſei weich und warm wie früher, bewillkommte er ihn mit einem lauten:„Nun, gelobt ſei Gott!“ denn der Fiſcher war ein vorſichtiger Mann, und dachte, wer weiß: ob ihn die Fee nicht erwürgt hat, und mir einen Todten über den Hals ſchickt. In ſeiner Hütte angekommen, beſtürmte er den jungen Mann mit tauſend Fragen; ob er die Lurley geſehen, und wie es komme, daß ſie ihm nichts zu leide gethan? Der erzählte:
„Nachdem ich Euch verlaſſen, kletterte ich die Felſen hinauf, welche entſetzlich ſteil und glatt ſind. Oft war mir, als ſei es keinem Men⸗ ſchen möglich, den Gipfel zu erreichen, und ich ſtand ſtille. Dann aber ſchien mir's wieder, als erfaſſe mich der Geſang der Jungfrau und hebe mich willenlos empor. So erreichte ich allmäͤlig die Spitze des Felſens und mich Eures Rathes erinnernd, drückte ich meinen rech⸗ ten Fuß zwiſchen eine Spalte, klammerte die Hände an einem Dorn⸗ ſtrauch feſt und ſah mich um. Da ſchlug ein gellendes Lachen an mein Ohr und ſchüttelte krampfhaft meinen Körper, ſo daß wenig fehlte, und ich wär' trotz meiner Stellung die Felſen hinabgeſtürzt; aber ich ſtand feſt und ſah der Fee, welche kaum zwei Schritte vor mir ſaß, ruhig in's Auge. O Fiſcher! ſie iſt ſchön, dieſe Lurley! Hätteſt du ihr Geſicht geſehen, weiß und fein wie Marmor! Ihr friſcher, rother Mund und das Auge, das ſchöne blaue Auge! Wie ſte mich ent⸗ ſetzt und erſtaunt betrachtete, mich, der ich nun mit einem Sprunge an ihrer Seite war, hätteſt du da die majeſtätiſche Geſtalt geſehen, ſo edel und voll, wie ſie emporſprang und davon ſchwebte, eh' ich es hin⸗ dern koͤnnte, und nur eine Ahnung davon hatte! Ich wollte den grünen Schleier faſſen, welcher lang hinter ihr drein flatterte, doch ich griff in die Luft und ſie war verſchwunden.“—„Das iſt ein ſeltſames
Aenteuer,“ ſagte der Fiſcher,„und Ihr könnt Gott danken, daß Ihr 0h ſo glücklich zurückgekommen ſeid. Aber ich hoffe, Euch iſt die uſt vergangen, nochmals da hinauf zu klettern. Glaubt mir, die Fee iſt voller Ränke. Da Euch heute ihr Lachen nicht hinabgeſtürzt, wiird ſie ſchon zu Eurem Verderben auf etwas Anderes ſinnen, wenn


