Druckschrift 
Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

169

ſchrecklich, ihr wehrt euch dagegen und ertragt lieber die Pein des Durſtes, als daß ihr jene moderige Sättigung herbeiwünſcht. Ich

aber ſuche ein Herz, und wenn ich das gefunden, kühlt ſich mein

Leben ab und erlöſcht in einem langen, langen Kuſſe. 4u

Darauf wußte ihm nun der Fiſcher nichts zu antworten, indem er ihn nicht verſtand, und er mochte auch wohl ſicher glauben, es ſei ſeinem Gaſte nicht hell im Geiſte. Genug, er ſtieß ſchweigend die Aſche in ſeiner kurzen Pfeife zuſammen und ſummte ein altes Lied vor ſich hin.

Plötzlich hielt er inne und blickte nach dem Gipfel des gegenüber liegenden Lurleyfelſen.Hört Ihr nichts! rief er dem jungen Manne zu.Horcht! ſte ſingt!

Wer ſingt!u rief dieſer und ſaß wie feſt gebannt, von den zaußeriſch ſchönen Tönen, welche gleich goldenen Strahlen durch das Felsthal zitterten und tief in die Bruſt drangen.Wo iſt ſte, die da ſingt?Das iſt die Lurley, ſprach der alte Fiſcher und ſchlug ein Kreuz. Meine Augen ſind zu ſchwach, ſie zu erkennen, doch ſchauen Sie ſcharf nach dem Gipfel jenes Felſelns, ſehen Sie denn nichts? Haſtig entgegnete der Jüngling, welcher aufgeſprungen war:Auf der höchſten Kuppe des Berges, einem Felszacken, der faſt über dem Rheine hängt, ſeh' ich eine weiße Geſtalt; ſte hat das Ge⸗ ſicht von uns abgewendet und ſchaut den Strom hinab. Ein ſeegrü⸗ ner Schleier umhüllt die ganze Figur und weht um ihre Füße. Ihr iches, blondes Haar flattert im Winde, ein herrlich gewachſenes Weib! o ſie muß ſchön ſein, dieſe Lurley! Ob ſie wohl ein Herz, hat, Fiſcher? Der ſchaute entſetzt empor und antwortete:Nein, nein, die hat kein Herz. Stopfen Sie Ihre Ohren zu und kommen Sie hinweg, ſehen Sie ihr nicht in's Geſicht und fliehen Sie, eh' Sie den Kopf herumwendet. Ja freilich, ſollte die Sie in dies Thal gezogen haben und Sie wollten die kalte Nixe an Ihr Herz drücken, ſo ſind Sie ge⸗ wiß verloren. Vorn übergebeugt ſtand der junge Mann, und die Strah⸗

len der Abendſonne, welche ſich durch einen Felsſpalt ſtahlen, beleuch⸗

teten ein freudig verklärtes Geſicht. Er hielt ſeine Hände emporge⸗ ſtreckt und ſagte in gebrochenen Sätzen zum Alten, der ihn bei der Hand ergriffen hatte:Laßt mich, o laßt mich! ſeht dies reine fromme Geſicht! Sie hat ein Herz, ſte muß eins haben! Und ſollte ich dort von dem Felſen herabſtürzen, nachdem ich ſte an meine Bruſt gedrückt,

ich muß hin zu ihr führt mich hinüber! Der Fiſcher trat einen

Schritt zurück.Plagt Euch der Teufel, rief er,Ihr wollt den Felſen hinauf zu der Zauberin, der verdammten Hexre! Seht einmal die Höhe an. Ob ein Theil Eures hübſchen Körpers wohl zuſammenhält, wenn Ihr da kopfüber herunterkommt? Ich bitte Euch, geht mit.

õrnnͤnͤnͤͤͤͤ

5