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Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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kam dem Alten närriſch vor, und er meinte, um ein Herz zu finden,

brauche man nicht lange zu ſuchen, und in der Abſicht thäte er beſſer, in eine große Stadt zu gehen. Da gäbe es deren von jeder Facon und Caliber, hier in der Einſamkeit würde er vielleicht nicht ſobald eins finden; worauf ihm jener entgegnete: dieſe Stelle des Rheins habe ihn beſonders angezogen, und es ahne ihm, er würde hier ſeinen

Zweck erreichen. Doch ſei das nicht zu ſeinem Glücke, denn wenn er ein Herz gefunden, das heiß liebend an ſeiner Bruſt ſchlüge, wäre er verloren. Der alte Fiſcher glaubte aber, es ſei ſeinem Miethsmann nicht richtig unter der Stirne und verließ ihn kopfſchüttelnd.

Dergleichen Unterredungen hielten die Beiden zuweilen; der Fiſcher ſaß auf einem alten Baumſtamm, der Andere lag ſchaukelnd im Boot auf dem Rücken und ſah in den vergoldeten abendlichen Himmel. So ſaßen ſie auch eines Abends, da frug der Fiſcher:Nun, noch kein Herz gefunden?Nein, nein, antwortete der junge Mann mit einem tiefen Seufzer.Wenn ich Ihnen rathen ſoll, entgegnete der Fiſcher gutmüthig,laſſen Sie das Suchen darnach ſein. Was man ſucht, findet man gewöhnlich nicht. Denken Sie einmal nicht mehr an das Herz, und ich bin überzeugt, ſie werden es bald an⸗ treffen. Und wie müßte denn das Mädchen zu dem Herzen ungefähr ausſehen? denn darauf wird's doch hauptſächlich ankommen. 2Ach, das weiß ich nicht, ſprach jener,ſo lange ich denken kann, ziehe ich herum, mit öder leerer Bruſt und ſuche. Steh' ich einen Augenblick ſtill, ſo zieht ſich dunkel und drückend die Luft um mich zuſammen, läßt mich nicht raſten und beängſtigt mich, bis über meinem Haupte ein Blitz glüht und mit langem, zackigem Strahle weit hinfährt, mir den Weg zeigend, da ſei, was ich ſuche, und ich ſtürze ihm nach, und finde doch nichts. Ich liebe allgewaltig und weiß nicht, was ich liebe. Oft möchte ich Berg und Strom, Feld, Wald und alle Menſchen an meine Bruſt drücken. Aber ſie ſind wohl recht freundlich und ſchön anzuſehen, haben aber doch kein Herz für mich. An die Bruſt der großen herrlichen Erde habe ich mich geworfen; doch ihr Buſen iſt kalt, und ihr Herz ſchlägt nicht liebend gegen meines.

Sie ſuchen, meinte der Fiſcher,und wenn Sie gefunden, ſind Sie verloren? Wie verſtehe ich das?

Das Finden iſt mein Ziel, und das Ziel iſt das Ende meiner Laufbahn, entgegnete jener.Ich ſehne mich aber nach dem Ende. Es iſt mir fremd und unheimlich in der Welt, in dem hellen Sonnen⸗ lichte, welches Alles ſo einfach und trocken beweist, die Bruſt aus⸗ dörrt und mit dem brennenden Durſt erfüllt, den euch Menſchen ein Mund voll kühler Erde am Ende eurer Laufbahn ſtillt. Das iſt euch

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