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Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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men, etwas Pulverdampf, der ſich langſam verzog, da ſtand der Kleine auf ſeinem Tiſchchen und ſagte mit lächelnder Miene:Eckſtein Sieben. Das war recht artig und wirklich wunderbar. Auch krönte * ein ſolcher allgemeiner Beifall dieſe Piéce, daß der Alte ſte wieder⸗ holen mußte. Von Neuem gab er das Kartenſpiel aus ſeinen Händen und mein Freund, welcher uns hergeführt hatte, nahm es, um eine Karte zu wählen. Er ſagte mir leiſe:Ich habe früher und auch heute das Kartenſpiel raſch durchlaufen und gefunden, daß in demſelben das Pique⸗Aß fehlt. Deßwegen habe ich hier von derſelben Form wie dieſe Blätter eins mitgebracht und will jetzt gleich ſehen, ob dieſer Manco unwillkürlich oder abſichtlich iſt. Und im letzten Fall muß es einen Zweck haben, den wir vielleicht auf dieſe Art ergründen. Ich erſchrack heftig und mir ſchwebte, ich weiß nicht welch unheimliche Ahnung vor.Um Gotteswillen, ſagte ich ihm,thu das nicht! Dochwar es zu ſpät. Ohne Aufſehen zu erregen, konnte ich ſeinen tollen Entſchluß nicht mehr ändern. Schon war die Piſtole mit Pique⸗Aß geladen. Der kleine hübſche König ſtand ruhig und erwar⸗ tend da. Der Schuß knallte; doch wie ſich der Pulverdampf an die Decke hob und die Ausſicht f ei gab, ſprang Alles unruhig und entſetzt von den Sitzen auf. Auf ſelnem Tiſchchen war der Kleine in die Kniee geſunken, Leichenbläſſe bedeckte ſein vorhin ſo blühendes Ge⸗ ſicht und er ſprach mit ſchwacher Stimme:Es war Pique⸗Aß! Er ſeufzte tief und ſank dann nieder. Mit einem gellenden Schrei ſtürzte der Alte über ihn, und der Arzt und ich waren mit einem Sprung auf der Bühne. Doch wo war das Figürchen, das Automat? In ſeinerHand hielt uns der Alte ein halb verbranntes, zuſammen⸗ gewickeltes Pique⸗Aß entgegen, nebſt einer andern vergilbten Karte, Pique⸗König, welche in der Mitte halb von einander geriſſen war. 1 Es ward mir unheimlich, wie er mich mit dem Geſpenſterauge ſtarr 4 anſah und leiſe ſprach:Er iſt todt und ich muß wandeln! Ich ergriff den Arzt beim Arm und zog ihn aus dem Gewühl in der Bude. Auf dem Heimweg erzählte ich ihm, was ich von dem Alten wußte; aber kaum hatte ich geredet, ſo rief ihn ein Bedienter, welcher hinter uns herlief, faſt athemlos bei Namen und bat ihn, gleich zu ſeinem Herrn, dem Vater Louiſens, zu kommen, die, in Folge er Schüſſe oder des ſonderbaren Vorfalls heute Abend in der kleinen Bude am Markt, einen ſchlimmen Zufall bekommen hätte.

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