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regnet haben, damit der Staub nicht aufwirbeln kann. Dichte Wolken ziehen noch langſam über der Erde hin, und der volle Mond arbeitet ſich ruhig hindurch, die Gegend mit hellen Streiflichtern verzierend. Ein Poſtillon lobt dem andern beim Umſpannen die Größe des Trink⸗ geldes, und alle fahren wie beſeſſen darauf los. Du liegſt in die Ecke des Wagens geſchmiegt, vorn auf dem Bocke ſitzt der Bediente, leiſe mit dem Schwager plaudernd. Die Wagenlaterne wirft einen zitternden Schein auf den Boden, und wie Mücken ein Licht in der Stube umflattern, ſo ſpringen, vom raſchen Fahren aufgeregt, kleine Erdklümpchen in dem hellen Scheine hin und her. Ach, und die ganze Natur iſt ſo ſtill und feierlich; es wird dunkel nah und fern, und Alles nimmt eine phantaſtiſche Geſtalt an. Die rieſenhaften Pappeln an der Chauſſee huſchen eilfertig vorbei, und wenn man auch von Weitem ganz genau ſah, wie ſie dicht beiſammen ſtanden und mit ein⸗ ander plauderten, ſo ſtehen ſie doch beim Näherkommen gerade und vereinzelt da, wie ertappte Schulbuben. Und dann in der Nacht die Einfuhr in eine Stadt, das Klirren auf dem Pflaſter, die ſchlafenden Häuſer, das Blaſen des Poſtillons— das iſt die Poeſte des Reiſens! Ja, dies iſt freilich die Poeſie des Reiſens, aber ſte iſt ſehr theuer und ſchon faſt ganz verſchwunden; man wird bald nur noch von ihr den Kindern und Enkeln erzählen können, wie von einer alten, fabelhaften Geſchichte. An die Stelle der Chauſſee, die ſich maleriſch zwiſchen Thal und Berg windet, iſt der Schienenweg getreten, der einförmig und langweilig in gerader Linie dahin zieht. Statt des ſanft ſchaukelnden Wagens ſind Dlligencen, Waggons, Charabanes, und wie alle dieſe Marter⸗Inſtrumente Koch heißen mögen, futſtane, die in einer ewigen, nervenzerſtörenden Bewegung durch ein feuerſpeien⸗ des Ungeheuer, Locomotive genannt, mit raſender Schnelligkeit dahin geriſſen werden— bald auf hohen Dammen über tiefe Thäler hans⸗ weg, bald mit entſetzlichem Gekrach und Geſeufze, durch den Schooß der Erde. Immer zu, immer zu,
Ohne Raſt und Ruh'.
Es war im Sommer 1844 zu Cölt am Rhein. Da ſaßen wir etwa unſer Zehn, einträchtig in den großen Omnibus des König⸗ lichen Hofes gezwängt, um hinaus nach dem Bahnhof zu fahren. Es wäre ungefähr Zeit geweſen, um nicht 3in der letzten Minute anzukommen. Doch gefiel es dem lieben Hunſere Geduld in der Geſtalt eines reiſenden Engländers, eines langbeinigen, klapperdürren und rothhaarigen Gentleman aus dem Specereiladen, hart auf die Probe zu ſtellen. Obgleich dieſer Edle, wie wir, vor Fünf aus dem
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