Druckschrift 
Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

27

nicht im Stande ſei, ſeine Phantaſte und das Bischen Geiſt, das er beſitzt, aus der Lethargie, in die Beide gefallen, aufzurütteln, worauf er im zweiten Kapitel aus gewaltigen, nichts ſagenden Monologen, die er hält, den Gedanken auffiſcht, ſich mit ſeinem Bedienten in ein ein⸗ ſames Haus im Walde zurückzuziehen, um da ein noch zu erdenkendes, unſterbliches Werk zu ſchreiben: ein Plan, der im dritten Kapitel zur Ausführung kommt, wo Beide ſich in ein einſames Dorf am Wald⸗ rande begeben und viel Dinte und Papier mitnehmen, auf das jedoch, wie das vierte Kapitel, das aus weißen Blättern beſteht, ſehr traurig anzeigt, Nichts geſchrieben wird. Das fünfte Kapitel, ein ſehr weh⸗ müthiges, ſagt aus, wie der Poet und ſein Diener, anſtatt zu arbeiten, nach verſchiedenen Richtungen im Wald und auf den Dörfern herum⸗ ſtreifen; im ſechsten erwacht die noch nicht ganz geſunkene moraliſche Kraft des Poeten, und er faßt im ſiebenten Kapitel den großen Ent⸗ ſchluß, ſeine und ſeines Bedienten Kleider bis auf den Schlafrock fort⸗ zuſchicken, um alſo genöthigt zu ſein, den ganzen Tag über zu Hauſe zu bleiben, was im achten Kapitel am Schluß des erſten Bandes aus⸗ geführt wird. Die drei erſten Kapitel des zweiten Bandes ſind höchſt matt und langweilig, weil hier der Poet arbeitet, und nur hie und da in der Dunkelheit Abends Spaziergänge macht. Im vierten über⸗ fällt ihn eine gewaltige Sehnſucht, und ein gewiſſes Etwas ſcheint ihn nach einer Gegend hinzutreiben, die er früher nie betreten. An einem ſchwülen Abend geht er im fünften Kapitel dorthin, und findet ein hübſches Landhaus, in dem eine alte Dame mit ihrer ſehr ſchönen und jungen Tochter und einer Kammerjungfer wohnt. Die Tochter ſitzt zufällig im Garten und ſpielt Guitarre und zufällig ein Lied, von dem er zufällig die Schlußſtrophe weiß, die er als Erwiederung auf die erſten Strophen ſingt, und ſich dann zurückzieht. In den folgen⸗ den Kapiteln ſteht man, wie nach dem Lauf der Welt der Poet und die junge Dame ſtich in einander verlieben und der Schluß des zweiten Bandes findet den Poeten in der gräßlichſten Verzweiflung, denn die junge Dame hat ihn in der Nachmittagsſtunde in eine heimliche Laube, die ſte im Walde hat herrichten laſſen, zu einem Rendezvous einge⸗ laden; er hat ja Nichts als den Schlafrock bei ſich! Dieſer zweite Band ſchließt ſehr lehrreich, beſonders für junge Poeten, indem er zeigt, wie man ſich von der Begierde nach Arbeit nicht dürfe hinreißen laſſen. Hier ſchloßen wir die Novelle, indem der Andrang dieſes gräß⸗ lichen Umſtandes auf den Poeten uns gar zu arg dünkte, um ihn aus⸗ zugleichen. Auch mochten wir keinen Selbſtmord auf uns nehmen. Bald ſtiegen wir etfrig den Berg hinan, bald ſetzten wir uns zu einer Geſellſchaft von Holzfällern, die auf dem Stamme einer umge⸗ hauenen Tanne ſitzend ihr Mittagsmahl hielten, was meiſtens ſehr ein⸗