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Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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engliſcher Umgebung und engliſchem Schutze. Doch war das auf dem Meer ſo übel nicht; denn alle Reiſende ſind darüber einig, daß man mit keinen Schiffen angenehmer und bequemer fährt, als mit den eng⸗ liſchen. So unpraktiſch und langweilig auch dieſes Volk auf dem Lande erſcheint, ſo praktiſch iſt es dagegen auf der See in ſeinen Schiffen, in denen Alles auf das Eleganteſte und Bequemſte eingerichtet iſt. Auf unſerem Dampfboote waren von den hundert und zwanzig Paſſagieren vielleicht ſteben Achtel Engländer, die nach ihrer Heimath zurückkehrten, und Alle waren hier ganz erträglich. Da konnten ſte ſich auf's Verdeck ſetzen und ſo lange es ihnen die Seekrankheit ge⸗ ſtattete, ſich dem Vergnügen überlaſſen, bei einer Taſſe Thee weit, weit in das unendliche Meer zu blicken, wo ſie keine Berge mit lang⸗ weiligen Burgen quälten und ſie keinen Guide nachzuſchlagen brauchten, um aus demſelben in ihr Tagebuch abzuſchreiben, was ſte nicht ge⸗ ſehen. Aber im Kaufe des erſten Tages hatte der Spaß ein Ende. Da

ſchwebte das Geſpenſt der Reiſenden, die unerkutliche Statrankheit,

auf dem Verdeck umher und jaßte den größten Theil der Paſſagiere in ihre Kajüten, aus denen nun Heulen und Zähnklappern erſcholl. Nur eine kleins Anzahl blieb zum Dienſte des Theetrinkens mobil und verſah dieß Amt auch mit der pünktlichſten Genauigkeit. Von unſerer Geſellſchaft war keiner eigentlich ganz ſeekrank, weßhalb wir uns jenen übrig Gebliebenen beigzſellten und allabendlich vor dem Kajütenhäuschen ſitzend die feiſche Meerluft einathmeten.

Einmal fiel es einer der engliſchen Damen ein, ſie wieder einige deutſche Nationallieder hör⸗ 1,2 Kgee ſie fruͤher an den Ufern des Rheins ſo ſehr ergötzt Näbe ſiichh auf unſerer ganzen Tour, ſo wie auch in einſamen Stunden auf dem Schiff als Troubadour fungirte, erwählte man mich, um der ſentimentalen Lady etwas vorzuſingen. Doch bald war mein Vorrath an Liedern, die man bei uns in Geſellſchaft von Damen ſingen kann, erſchöpft, und nach⸗ dem ich mich überzeugt, daß die Engländerinnen kein deutſches Wort verſtünden, machte ich mich an unſere Volkslieder, und ſang ihnen eine Unzahl derſelben herunter. Oft verlangten ſie zu den Liedern, deren Melodien ihnen am meiſten zuſagte, die Worte auf engliſch, doch konnte man dieſem Verlangen nur mit der allerfeinſten Ueberſetzung nachkommen; denn einer prüden Engländerin das Lied:

Es waren vier Geſellen, Die thäten ſich was verzällen ꝛc.

möchte gern

oder Wenn ich Abends zu Dir geh, O mein Schatz, juchhe! 2.

wörtlich zu überſetzen, war doch nicht gut möglich.

* Hackländer, Erz. 2

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