Druckschrift 
Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

Nirgends tritt ſo ſehr der Kontraſt von Nord und Süd ſchärfer hervor, als in Malta, das unter engliſcher Herrſchaft ſteht, und es macht ein eigenes Gefühl, hier neben dem braunen ſonnverbrannten Malteſer den engliſchen Conſtable mit ſchwarz lakirtem Hut und dem kleinen Stock mit dem engliſchen Wappen zu ſehen, oder auf der Pa⸗ rade, wo einige hundert rothröckige Engländer mit ſteifen Gliedern und noch ſteiferen Geſichtern marſchiren, dem Gewühl und Gedränge der luſtigen glühenden Malteſerinnen zuzuſehen, die in ihrer ganz ſchwar⸗ zen Nationaltracht und mit ihren noch ſchwärzeren Augen auf dem Platz umher ſchwärmen.

Nachdem wir in der Quarantäne zu Malta ein und zwanzig Tage verlebt hatten und endlich der Tag der Erlöſung kam, trat uns Alt⸗ England noch einmal in den Weg und wäre in der Perſon eines mür⸗ riſchen Gentleman beinahe ein neuer Riegel geworden, der uns wieder eine lange Zeit gefangen hielt. Dieſer Edle nämlich wohnte auf dem⸗

ſelben Corridor wie wir, und hatte während der Dauer der Quaran⸗

täne beſtändig die Zeichen der beſten Geſundheit gegeben. Das konnte die große Menge geleerter Porterflaſchen, die vor ſeinem Lokal aufge⸗ ſchichtet waren, ſo wie die Rechnung des Speiſewirthes bezeugen, welche nach den vielen Beafſteaks, die er täglich genoß, gewiß nicht klein war.

An dem Morgen, wo ſich unſere Gefangenſchaft endigte, waren wir ſchon ſehr früh bei der Hand, packten unſere Sachen und ſahen ſehnſüchtig hinüber nach Lavalette, in deren Gaſſen wir uns bald wieder als freie Menſchen bewegen konnten. Ein Paar junge Fran⸗ zoſen, die auf der andern Seite neben uns wohnten, trieben vor Freude über ihre Erlöſung allerhand Tollheiten, tanzten die Treppen hinab und hinauf, und erkundigten ſich wohl hundertmal, ob nicht bald der Quarantänearzt käme, um uns zu entlaſſen. Bald darauf öffnete ſich auch die Thür des Engländers, und er trat in ſeinem Schlafrock, die

weiße Mütze auf dem Kopfe heraus und ſah uns mit recht kläglich

Geſichte an.Aber mein Gott! riefen wir ihm zu,warum ſind jie noch nicht angezogen? es geht ja gleich fort.O, o, entgegnete der Engländer,ich fühle mich ſehr krank. Das war eine ſchreckliche Antwort für uns; denn jeden Augenblick ſollte der Arzt kommen, konnte die Krankheit des Engländers für einen Peſtanfall halten und uns Alle, die wir mit ihm in Berührung gekommen waren, auf weitere vierzig Tage in Quarantäne ſetzen. Es war ein entſetzlicher Moment, und ſo viel wir dem Mann im Schlafrock zuredeten, ſich anzuziehen

und ja dem Arzt von der Unpäßlichkeit nichts zu ſagen, ſo that er

gerade das Gegentheil. Doch da der Quarantänearzt, der gleich darauf eintrat, ein vernünftiger Nann war, ſo konſultirte er den Koch der

Anſtalt, der ihm anvertraure, daß der Engländer geſtern Abend nicht