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Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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dem andern Radkaſten hatten ſich die Kammerjungfern der Lady poſtirt und wühlten in einem unendlichen Haufen weißer Leinwand. Die Bedienten zweiten Rangs ſaßen an der Spitze des Schiffs und die Kiſte, die der rechts gerückt hatte, ſchob jener wieder links. Der eine putzte an einer Theemaſchine, der andere polirte ein Paar Stiefeln und pfiff dabei, wie die engliſchen Stallbedienten, wenn ſie die ungeduldigen Pferde beruhigen wollen.

Die Donaudampfſchifffahrtsgeſellſchaft hatte, um dem ehrenwerthen Lord das Leben auf ihren Schiffen ſo bequem als möglich zu machen, auf ihre Rechnung einen engliſchen Koch engagirt, der zu gewiſſen Stunden für Seine Herrlichkeit allein kochen mußte. An dem Theil des Schiffes, wo ſich die Küche befand, war des Geklappers kein Ende und England florirte hoch. Hier liefen die Bedienten mit ihren Thee⸗ kannen und Beafſteakpfannen aus und ein, und wir andern harmloſen Paſſagiere waren in beſtändiger Gefahr überrannt zu werden; beſon⸗ ders an dem erſten Tage unſerer Fahrt, ehe die dienenden Töchter und Söhne Albions jeden Winkel zu ihrem Gebrauch eingerichtet und mit Kiſten und Kaſten verſtellt hatten, erging es uns wie in dem bekann⸗ ten Mährchen: wen der Eſel nicht ſchlägt, den kneipt der Krebs, und wen der Krebs verſchont, dem wird von der Katze der Ruß in die Augen gekratzt. Wer glücklich bei der Küche vorbei kam, ohne von einer Portion Sauce angebrüht zu werden, dem ſchob vielleicht der Kutſcher ein Rad des ſchweren Wagens auf den Fuß, oder ſprang ihm vom Bock herab auf ein Hühnerauge, und wer hier glücklich vorbeikam, der wurde wenigſtens von den Stiefel putzenden und Kleider ausklopfenden Bedienten tüchtig eingeſtaubt. Die Herrſchaft all dieſes Unweſens, der edle Lord mit ſeiner Gemahlin, beläſtigte uns noch am allerwenigſten. Die Dame ſaß ſchon am frühen Morgen in ihrer Kajüte und ließ ſich von dem Herrn Gemahl die courfähigen Paſſa⸗ giere der Reihe nach vorführen. Sie war eine Dame in den Vierzigen und einſtens gewiß ſehr ſchön geweſen. Man ſah noch heute die deut⸗ lichen Spuren davon. Der Stuhl der Lady ſtand in ihrer Kabine dicht am Radkaſten, wodurch ſie den ganzen Tag wie ein Sulz in eine zit⸗ ternde Bewegung verſetzt wurde, was äußerſt komiſch ausſah.

Während der vier Tage, die wir zuſammen reisten, kam ſte viel⸗ leicht zweimal auf's Verdeck, um ſich die Gegend anzuſehen. Während der übrigen Zeit ließ ſie ſich von ihrer Kammerjungfer anſagen, wo ſie ſich gerade befand, und ſah ſich dann in ihrem Guide viel lieber die Stahlſtiche an, die im Grunde ſchöner waren, als die Gegend ſelbſt und was die edle Dame viel bequemer hatte. Der Lord dagegen ließ

ſich häufig auf dem Verdeck blicken und ſah beinahe, wie alle andern

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