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Humoristische Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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fältige Erhaltung derſelben in dem Schmutze türkiſcher Wirthshäuſer etwas geſucht und eine wohl eingerichtete und ſauber erhaltene Thee⸗ maſchine unter den Palmen des Nils wohl im Stande, dem Unpar⸗ teiiſchen ein kleines Lächeln zu entlocken. Je mehr man ſich von dem Hauptreiſeſtrich, Holland, dem Rhein entlang, die Schweiz, Tirol nach Italien weſtlich gegen Frankreich und hauptſächlich öſtlich gegen das Innere von Deutſchland verliert, um ſo ſeltener trifft man die engliſchen Reiſenden, ich ſage ſelten gegen die Maſſe derjenigen, welche die oben genannte große Route einhalten; denn im Allgemeinen findet man unter jedem Himmelsſtrich, daß von zehn Reiſenden ſechs Engländer ſind. Nur einzelne wißbegierige oder neugierige Exemplare ſind es, welche die Hauptſtraße verlaſſen, um rechts oder links abzuſchweifen.

Auf der obern Donau fanden wir noch viele Söhne und Töchter Albions, von denen der größte Theil der Kaiſerſtadt Wien eine Viſtte machen wollte. Hier war auf dem Dampfboot von allen Nationen noch eine recht noble Auswahl, und wenn nicht zuweilen ein ehrlicher Oeſterreicher mit einem deutſchen Wort zwiſchen die Konverſation ge⸗ fahren wäre, hätte man glauben können, in England oder Frankreich zu ſein. Doch wie plötzlich und gänzlich änderte ſich dieſe Scene, als wir Wien verlaſſen, um unſere Reiſe nach Peſth oder weiter hinab fortzuſetzen. Die Kaiſerſtadt hatte, ein gewaltiger Magnet, faſt die ganze fashionable Welt, die wir mitgebracht, angezogen und hielt ſie feſt. Verſchwunden war der kurze Makintoſh und der ſeegrüne flat⸗ ternde Schleier Englands, ſo wie die weißen Glacehandſchuhe und die Maſſe überflüſſiger Redensarten Frankreichs. Wir hatten die vielen nüchternen und langweiligen Geſichter, die den Kupferſtich ihres Buchs lieber anſehen, als das Original ſelbſt auf der Spitze des Felſens, gegen geſunde kräftige Phyſtognomien vertauſcht und wahrhaftig ſehr dabei gewonnen. Neben uns ſtand der Oeſterreicher mit dem gut⸗ müthigen Geſicht, und wem neben dieſem Ausdruck der ſchwarze Bart und die dunklere Geſichtsfarbe etwas Abenteuerliches gab, war der Ungar.

Auf der Galathee, ſo hieß unſer Boot, war ein ſehr luſtiges Leben. Wir hatten ſchönes Wetter, Alles plauderte durcheinander, und jeder freute ſich an der Freude des Andern und den grünen Wellen der prächtig dahin ſtrömenden Donau. So kamen wir nach Peſth, von wo uns der Zriny, ein ſchönes faſt neues Dampfſchiff, weiter

hinab durch die Ebenen Ungarns nach der Wallachei führen ſollte. Vor den Fenſtern unſers Gaſthofs in Peſth lag dieß Schiff; doch ſiel

am Morgen der Abfahrt ein ſo dichter Nebel, was uns freilich einen

guten Tag verſprach, daß wir nur den Dampf des Schornſteins er⸗ blicken konnten, der ſich mit Mühe einen Weg durch die weißen Maſſen