u ſehen, und wenn mich auch auf einem reinlichen rheiniſchen Dampf⸗ bpoote die blendende Wäſche des Engländers freut, ſo iſt doch di⸗ 3
5 knecht und Kellner recht grob anfuhr oder mich ihnen nur mit einem langen Gähnen und ohne ein Wort zu ſprechen präſentirte, bekam ich ein gutes Zimmer und lebte herrlich und in Freuden. Daß endlich der Engländer, wenn er zu uns kommt, ſo eigenſinnig bei ſeinen Ge⸗ bräuchen, bei ſeiner Sprache und den Gewohnheiten bleibt, die ihm von zu Hauſe ankleben, können wir ihm nie verzeihen. Warum lernt er nicht deutſch— und läßt, ſtatt dem Singen der Theemaſchine zu⸗ zulauſchen, nicht Champagnerpfropfen gegen die Decke fliegen? warum behält er ſeinen Hut auf dem Kopfe und drückt uns dagegen recht herzlich die Hand? Ach! wie undankbar ſind wir! Dank ſei es dem Engländer und Franzoſen, daß ſie nationel bei uns auftreten und uns zeigen, wie ein Menſch leben muß, um gebildet zu ſcheinen. Woher wüßten wir ſonſt, daß man franzöſtiſch plappern muß, um guten Ton zu haben, und daß es nöthig iſt, Thee zu trinken, damit man auch ſo intereſſant blaß ausſteht, wie die Engländerinnen? Und ernſtlich geſprochen, wie Noth thäte es uns, etwas von dem Stolze des Eng⸗ länders zu haben, der es unter ſeiner Würde hält, auch nur in der
Kleidung einer andern Nation, am allerwenigſten uns nachzuäffen.
Ach, nähmen wir doch ebenfalls den biederen ehrlichen Deutſchen mit, wenn wir verreisten und ließen dafür zu Hauſe die lumpigen Fetzen von fremden Gebräuchen, mit denen wir uns umhängen und die uns kleiden, wie den Eſel die Löwenhaut.— Nein, ich wollte ſagen, wie den Löwen die Eſelshaut, denn wir könnten die Löwen ſein, ächte Löwen, aber keine Lions. Mit welcher Luſt, wie viel lieber ließ ich mich bei einem Gedränge tüchtig gegen eine Mauer rennen, wentt der, der mich angerannt hätte, ſich mit einem:„Ich bitt' um Ver⸗ zeihung!“ zu entſchuldigen ſuchte, als mich leicht auf den Fuß treten, um ein: Pardon Monsieur entgegen zu nehmen.— Zum Teufel das Pardon.— 2 8
Auf meinen Reiſen ſind mir immer die Engländer ein intereſſan⸗ tes Studium geweſen, und wenn man unter hundert Paſſagieren den einzigen Briten herauskennt, ſo kann ihm das, wie ſchon geſagt, nur zur Ehre gereichen. Daß ſie ihre Eigenthümlichkeit immer bis zum Lächerlichen feſthalten und übertreiben, iſt freilich auch wahr, und wenn es kein vernünftiger Menſch billigen kann, daß man von vornherein die Söhne Albions ohne Unterſchied als lächerliche Perſon hinſtellt, wie den Pantalon in der italieniſchen Komödie, kann ich es mir doch nicht verwehren, die zuweilen wirklich komiſchen Figuren der reiſenden Engländer, die mir begegneten, in ein Paar Skizzen darzuſtellen. Ort und Klima tragen auch viel dazu bei, Manches in anderer Beleuchtung


