Augenblicke des Glücks. 199
einer zweiten, einer dritten, und gleich darauf vernahm man einen dumpfen Kanonenſchuß.— Wenn vom heiteren Himmel herab unzählige Blitze gefahren wären oder bren⸗ nender Schwefel, flammendes Pech, oder wenn die Decke des Saales plötzlich gewankt hätte: die Aufregung unter
dem Hoſſtaat hätte nicht größer ſein können. Junge kräf⸗
tige Chrenfräulein erbleichten und errötheten, und ältere Hof⸗ damen hätten es vielleicht gerade ſo gemacht, wenn die Schminke dabei nicht ein kleines Hinderniß geweſen wäre. Doch wandten ſich dieſe mit angehaltenem Athem dem Fen⸗ ſter zu; nervenſtarke Naturen affectirten ein gleichgültiges Lächeln, während ſchwächliche Conſtitutionen eine Stuhllehne oder eine Tiſchecke ſuchten.
Bumm!— bumm!— bumm!— ging es draußen.
Schon bei dem erſten Schuße war alle Converſation mit einem Male abgebrochen; man hörte ſelbſt nicht ein⸗ mal das geringſte Flüſtern mehr, kein Zuklappen der Fächer, und wo zufälliger Weiſe bei einer unvorſichtigen Bewegung der ſchwere Seidenſtoff des Kleides irgend einer Dame rauſchte, da ſah man ringsumher ein paar Dutzend un⸗ williger Augen, welche Ruhe geboten.— Kammerherren, die ſeit längerer Zeit alles Gefühl verlernt hatten, die ſelbſt einem ungnädigen Blicke gegenüber ſo viel kaltes Blut behielten, um den Kopf ſehr aufrecht zu tragen, den Hut mit Oſtentation an der Seite zu halten und furchtlos in derſäiten Poſition zu verharren, ſelbſt dergleichen eiſerne


