192 Siebzehntes Kapitel.
Seelen von der Partei Ihrer Durchlaucht ins andere Lager hinüber ſchlichen, um dort, als ſei gar nichts vorgefallen, ein harmloſes Geſpräch anzuknüpfen; doch las ſolch' ein Unglücklicher in den halbgeſchloſſenen Augen oder dem eigen⸗ thümlichen Lächeln irgend einer alten Excellenz oder in dem raſchen Fächerzuklappen einer entrüſteten Hofdame das ver⸗ hängnißvolle„Zu ſpät!“ und verſtand genau, was es heißen ſollte, wenn in ſeiner Nachbarſchaft, ſcheinbar ohne Beziehung auf ihn, irgend Jemand ſagte: Ah! c'est trop fort! Freilich gab es unter dem Hofſtaat einige Privilegirte, die entweder dem Treiben beider Parteien fern geblieben waren, oder die man bei der einen oder bei der andern ſo hoch in Gunſt ſtehend glaubte, daß Niemand es wagte, ſo bevorzugte Perſonen mit einem ſchiefen Blicke anzu⸗ ſehen, ſondern daß Alle für dieſe ein angenehmes Wort, ein freundliches Lächeln hatten. Hierzu gehörte auch Major von Fernow, der, ſchon früh im Schloſſe anweſend, mit dem Hofmarſchall und der Oberſthofmeiſterin ſo zu ſagen die Honneurs gemacht hatte. Während Alles in geſpannter Erwartung harrte, trieb er ſich ſcheinbar zweck⸗ und planlos zwiſchen den plaudern⸗ 6 den Gruppen beider Parteien umher, doch wenn er auch hie und da eine Converſation anknüpfte, ſo bemerkten ſeine genauen Bekannten wohl, daß er zerſtreut ſei und für Ant⸗ worten, die man ihm gab, nur ein halbes Ohr habe. Auch machte er ſich viel an der Seite der Fenſter, von wo er„
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