Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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18 Zwölftes Kapitel.

1 etwas Abſtoßenderes und Unangenehmeres ſehen. Dabei Rentging ihm das Lauern der Blicke nicht, das faſt höhniſche

Lächeln um den Mund. Gewiß, daß er es mit einem ſchlauen Gegner zu thun hatte.

Jetzt war die Speiſekarte ſtudirt. Herr Krimpf hatte beſcheidene Wünſche, und der Andere hütete ſich wohl, ihm zu viel aufdringen zu wollen. Da ſie aber natürlicher Weiſe gemeinſchaftlich tranken, ſo ließ Herr von Fernow nicht ohne Abſicht einen guten Bordeaux kommen, mit deſſen Hülfe er hoffte, die Zunge ſeines Gaſtes zu löſen.

Herr Krimpf trank recht gern Wein, namentlich guten Wein, und wenn er auch anfänglich nur an dem Glaſe nippte, und mit der purpurnen Finſterniß in demſelben liebäugelte, ſo war doch der Duft des vortrefflichen La Roſe zu verführeriſch, als daß es lange dauerte, bis er ſein Glas ausgeſchlürft hatte, das ihm bereitwillig wie⸗ der gefüllt wurde. Bei dem Geſchäfte des Austrinkens überlegte er und ſagte zu ſich ſelber:Wenn der Herr da drüben wirklich etwas mit dir vor hat, ſo muß er wiſſen, wer du biſt, was du treibſt, und wenn er dar⸗ auf anſpielt, ſo haben wir uns doppelt in Acht zu neh⸗ men. 4

Es iſt eigenthümlich, ſprach der Offizier nach einer Pauſe, wobei er ſich in den Stuhl zurücklehnte und auf⸗

merkſam die Gasflamme über dem Tiſche betrachtete,wie

zwei gänzlich fremde Leute durch. Zufälligkeiten zuſam⸗