6 Zwölftes Kapitel.
Die eiligen Schritte des Lakaien wapen unter dem Hauptportale verklungen. Hier mußte ein Entſchluß gefaßt werden.„Iſt es Recht von mir,“ fragte ſich der Offizier, „wenn ich den Verſuch mache, die Photographien in meine Hand zu bekommen? Ja, nachdem die Art des Verſuchs wäre. Mit Beſtechung oder meinetwegen mit Gewalt? Aber, wenn ich mich als den darſtellte, der ſie abholen ſoll!— Die Rolle eines Bedienten übernehmen? Pfui Teufel, das wäre ordinair! Eine Art von Betrug be⸗
gehen?— Doch nein, es könnte vielleicht nicht ſo ange⸗
ſehen werden. Wenn ich jenem die Photographien abnehme, ſo bin ich am Ende im Rechte, denn Krampf beſitzt ſie widerrechtlich nach der eignen Ausſage. Ueberhaupt gelten in dem Kriege hier alle Mittel,— nur nicht die gemei⸗ nen, nein. Aber geſchehen muß etwas. Was geht vor? was iſt's, was Lakai und Kammerdiener der Prinzeſſin bei Nacht und Nebel verhandeln?— Es iſt die Gegenpar⸗ tei, es iſt meine Schuldigkeit, der des Regenten die Stange zu halten. Vielleicht machen wir eine wichtige Entdeckung, vielleicht iſt dies abermals— ein Augenblick des Glücks.“
Als der junge Offizier ſein Selbſtgeſpräch beendigt
heatte, vernahm er wieder ſich nahende Schritte und
gleich darauf kehrte der Lakai zurück. Jetzt galt es. Ent⸗ weder Herr Krimpf übergab die Photographien, dann mußte man dem Lakaien in's Schloß folgen und ſie ihm mit Güte oder Gewalt abdringen. Doch war dies ein mißliches Un⸗
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