Leuchtkäfer.— 237
der Andere ſchien auch in der That dieſe Worte nicht ge⸗ hört, oder nicht verſtanden zu haben, denn er fuhr fort:
„Das iſt Ihr glückliches Loos; während mich der Druck der Verhältniſſe lange nicht aufkommen ließ, und da dies endlich zu geſchehen ſcheint, andre Verhältniſſe mich wieder tief zu Boden drücken. Ja, Reichthum und Rang, ich habe bisher nie daran gedacht, Andere darum zu beneiden; aber jetzt ſehe ich doch wohl ein, wie viel leichter man mit ihrer Hülfe zu dem kommt, was wir Menſchen Glück, ja Selig⸗ keit nennen.“ Er hatte bei dieſen Worten ſeinen Arm auf das eiſerne Geländer geſtützt, den Kopf auf die Hand ge⸗ legt und blickte in das weiße, glitzernde Stückchen Mond, welches langſam zwiſchen den dunkeln Föhren niederſank. Nachdem er die letzten Worte geſprochen, ſeufzte er tief und ſchmerzlich auf.
Unten im Park begann eine Nachtigall wie ſchüchtern ihr Liebeslied, und erſt als die Sängerin gefühlt, daß Baum und Gras, Quell und Blüthe in tiefer, feierlicher Stille aufhorchten, ſchlug ſie ſtärker und immer ſtärker, ſchmelzender und immer ſchmelzender und jubelte endlich unter Lachen und Schluchzen ihr Lied hinaus, ihr Lied ohne Worte, aber deutlich wie kein anderes redend von Liebesleid und Liebes⸗ luſt, von Liebesſchmerz und von der Liebe höchſter Seligkeit.
Solch ein Lied dringt ans Herz, und wenn man das in ſtiller Nacht hört, ſo möchte man hinausjubeln ſein Glück und hinausſchreien ſein Leid an irgend einen Stern


