238 Elftes Kapitel.
hin, an des Mondes bleiche Scheibe, an die duftende Blüthe, wie viel lieber an ein Menſchenherz, das denkt und fühlt wie wir.
Bewegt von dieſen Klängen ſagte denn auch Herr von Fernow zu dem unbekannten Nachbar, mit dem er faſt willenlos Geheimniſſe tauſchte:
„Was Sie da reden von Rang und Vermögen, durch die Glück und Seligkeit zu erkaufen wären, iſt ebenſo un⸗ richtig, als wenn Sie glauben, meiner Liebe habe es ge⸗ nützt, daß ich wohl etwas von dieſen Gütern beſitze.—— Vielleicht iſt es Ihnen tröſtlich zu vernehmen, daß ich mich der Dame, die ich liebte, lange Zeit kaum nähern durfte, und daß dieſelbe jetzt— die Braut eines Andern iſt.“
„O!“ rief der junge Mann und fuhr aus ſeiner Stellung empor,„ſo ſind Sie alſo auch unglücklich? Das trifft ſich eigenthümlich.“ 3
„In der That ſeltſam,“ entgegnete Herr von Fernow, und mußte lächeln über dieſes Zuſammentreffen. Es ent⸗ ſtand in dem Geſpräch eine kleine Pauſe. Der junge Mann lehnte ſich über die Brüſtung und ſchaute in die Tiefe hin⸗ ab, wo man jetzt nur noch ſchwarze Schatten und kaum ſichtbar das Leuchten eines Waſſerſpiegels bemerkte.
„Wie lieb iſt es mir,“ ſagte er endlich,„daß ich hier war, als Sie, mein Herr, kamen. Mein Herz war ſo voll, o ſo voll, daß es eine Wohlthat für mich iſt, zu Jemand
ſprechen zu können, von dem ich überzeugt bin, daß


