Leuchtkäfer. 233
Nun iſt es nicht leicht mit einem gänzlich fremden Menſchen ein Geſpräch anzuknüpfen, welches nicht ſchon den Keim des Todes in ſich trägt, ehe es zum Leben gelangt. Verſuchsweiſe ſagte deßhalb Herr von Fernow:„Alſo Sie intereſſiren ſich für die Leuchtkäfer? Lieben vielleicht im All⸗ gemeinen die kleine Thierwelt? Und ſind wohl, was man einen Inſektenſammler nennt?“.
„Nein, davor graut mir,“ antwortete der Andere. „Ich könnte um Alles in der Welt ſo ein unſchuldiges Geſchöpf nicht mit der Nadel durchſtoßen, wie ſie es zu machen pflegen. Und dann hätte ja auch ein aufgeſpießter Leuchtkäfer durchaus keinen Sinn. Wenn er todt iſt, hat er Licht und Glanz verloren, und das iſt eigentlich recht traurig.“
„Ja, das iſt allerdings recht traurig,“ pflichtete der Major bei, um das Geſpräch nicht einſchlafen zu laſſen. Aus demſelben Grunde fragte er auch:„Weßhalb lieben Sie alſo die Leuchtkäfer? Ich hoffe nicht, daß ich mit meiner Frage unbeſcheiden bin.“
Auf dem Geſichte des Andern zeigte ſich ein trübes Lächeln und er ſchwieg einen Augenblick, ehe er antwortete. „Wenn ich Ihnen das erzähle,“ ſagte er,„ſo werden Sie lachen; und es iſt auch vielleicht ſchon oft vorgekommen.“
„Erzählen Sie, ich werde nicht lachen; wenn es
aber in der That lächerlich wäre, und ich müßte alsdann lachen, ſo würden Sie es mir wohl auch nicht übel nehmen.“


