Elftes Kapitel.
„O gewiß nicht.— Kennen Sie den Königsgarten?“
„O ja, ich kenne ihn.“ 4
„Aber Sie waren noch nie dort, wenn er ſchön be⸗ leuchtet iſt und Abends die Muſik ſpielt, kurz, bei einer italieniſchen Nacht? Das iſt langweilig für die vornehmen Herren.“
„Ich bin kein vornehmer Herr.“
„Laſſen wir das meinetwegen gut ſein. Ihre Cigarre iſt vortrefflich. Nun alſo, in den Königsgarten ging ich früher häufig, ich hatte ſo meine Intereſſen dabei.“
„Ahl ich verſtehe.“
„Natürlich, man iſt jung, man ſucht, man findet. Genug, ich hatte denn auch gefunden, ein ſehr ſchönes, junges und liebenswürdiges Mädchen. Es kommt das ſehr häufig in der Welt vor, es wird Ihnen auch ſchon paſſirt ſein, und ich erzähle es Ihnen nur, weil es mit den Leucht⸗ käfern zuſammenhängt. Alſo wir hatten uns gefunden, wie man ſich ſo findet. Wiſſen Sie, eigentlich noch ganz ohne Abſicht und Zweck. Wie ſie gern nach mir ſah und lieber mit mir tanzte, als mit jedem Andern, ſo war es auch bei mir der Fall. Weiter nichts. Da ſpazieren wir eines Abends vom Tiſche ihrer und meiner Familie hinweg, ich führe ſie durch den dunkeln Garten, und da ſehen wir auf einmal auf dem Boden zwiſchen dem Graſe einen Leucht⸗ käfer glühen.— Wir bücken uns beide zu gleicher Zeit, um ihn zu fangen, und da ſtreift ſie mit ihrem kühlen


