224 Zehntes Kapitel.
Kammerherr;„wenn nur der rechte Augenblick nicht verpaßt iſt!— Und wünſcht die Prinzeſſin,“ ſetzte er nach einem momentanen Stillſchweigen hinzu,„daß ich um die Geſchichte wiſſen ſoll.?“
„Wer kann daran zweifeln?“ verſetzte die Excellenz nicht ohne eine kleine Verwirrung.„Sie ſtehen in ihrer Gunſt, die Prinzeſſin hätte Ihnen an jenem Abend Alles anver⸗ traut;— kann ich auf Sie rechnen?“
Der Kammerherr hatte einen Gang durch das Zimmer gemacht, er kämpfte mit ſich ſelber. Er kannte den Oberſt⸗ jägermeiſter, und weil er ihn kannte, kam ihm die ganze Sache verdächtig vor. Zu einer Angelegenheit, bei der etwas zu gewinnen war, hätte die Excellenz nicht wohl einen Zweiten eingeladen; auch erinnerte er ſich jenes Abends, als er dem Baron Rigoll im Schloſſe begegnete und es ſich fand, daß ſie den gleichen Weg zu den Ge⸗ mächern der Prinzeſſin hatten, wie ihm der Oberſtjäger⸗ meiſter in der erſten Ueberraſchung ein nichts weniger als freundliches Geſicht machte.— Daß aber Herr von Wenden jetzt mit einer Antwort zögerte, ſchien dem Baron Rigoll durchaus nicht zu gefallen. Er wandte ſich unmuthig gegen ihn und ſagte in einem etwas ſcharfen Tone:
„Ei, beſter Baron, wie nehme ich Ihr Stillſchweigen? Sie ließen mich mein Geheimniß ruhig erzählen, und jetzt da Sie es wiſſen, zögern Sie auf eine für mich faſt be⸗ ängſtigende Art.“


