Ein Diner und zwei Freunde. 223
„Ihn häufig ſehen? Sie hat ihn noch gar nicht ge⸗
ſehen, ſeit er hier iſt. Sie will ſein Portrait, er ſoll das
ihrige haben, und dann wird ſie ſich vielleicht entſchließen, ihm auf Gott weiß welche verzwickte und geheimnißvolle Art zu begegnen. Da haben Sie die Geſchichte meiner Leiden. Zwiſchen dieſen beiden Feuern ſitze ich, und kann es mir da ein vernünftiger Menſch übel nehmen, wenn ich mich zu⸗ weilen in einer völligen Verzweiflung befinde?— Aber das habe ich mir feierlich gelobt,“ fuhr er fort, indem er abermals aufſtand,„geht dieſe Sache nur einmal glücklich vorüber, ſo weiß ich, was ich thue. Dann heirathe ich in aller Stille, reiſe auf längere Zeit fort und ſehe zu, wie ſich die Sachen hier abwickeln.“
„O Euer Excellenz haben eine beneidenswerthe Zukunft,“ ſprach der Kammerherr träumeriſch.
„Aber ehe ich dazu gelange, noch einen entſetzlichen Ab⸗ grund dicht vor meinen Füßen. Vielleicht einen jähen Sturz.“
„Zu dem Cuer Excellenz mich einzuladen die Freund⸗ lichkeit haben,“ antwortete lachend Herr von Wenden.
„Es iſt'was Wahres in Ihren Worten,“ ſagte der Oberſtjägermeiſter nach einer Pauſe, während welcher er ſich mit übereinander geſchlagenen Armen in's Fenſter geſtellt hatte. „Aber bei'm Teufell. nein, zwei Leute wie wir ſtürzen nicht ſo leicht. Ich wette, wir bauen uns die ſchönſte Brücke nach Gott weiß ß welchem glücklichen Gefilde.“
„Eine Brücke des Glücks,“ erwiderte nachdenkend der


