Zweites Kapitel.
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des kürzlich verſtorbenen regierenden Herzogs. Die verwittwete Herzogin bewohnte den ſüdlichen Flügel des Schloſſes, und im Parterreſtocke, wo unſere Geſchichtebeginnt, waren die Gemächer des Regenten, der, ein Onkel des verſtorbenen Herzogs, im jetzigen Augenblicke das Haupt der Familie und der Herrſcher des Landes war. Wir ſagen: im jetzigen Augenblicke; denn die
verwittwete Herzogin befand ſich in intereſſanten Umſtänden und
die wichtige Frage war, ob die arme, unglückliche Frau einem Prinzen oder einer Prinzeſſin das Leben geben würde; im erſten Fall war ein rechtmäßiger Thronerbe da, im andern dagegen wurde der Regent dem ſaliſchen Geſetz zufolge, regierender Her⸗ zog des Landes.
Daß unter dieſen Verhältniſſen der Hof in zwei große Parteien geſpalten war, ja, daß dieſe erbittert und feind⸗ lich einander gegenüber ſtanden, brauchen wir eigentlich eben ſo wenig zu ſagen, als mit welch' namenloſer Spannung Land und Hof der Niederkunft der verwittweten Herzogin ent⸗ gegen ſah. Während der Ordonnanzoffizier an's Fenſter trat, um jetzt
auch dem Gewühl auf dem Schloßplatz einen Blick zu ſchenken,
blieb der Kammerherr an der geſchloſſenen Thür ſtehen, ſtemmte beide Arme in die Seiten und ſagte, bedeutſam mit dem Kopfe
nickend:
„So oft ich dieſes Zimmer in der jetzigen ſchweren Zeit betrete, ſehe ich immer Ihre Durchlaucht, die Prinzeſſin Eliſe vor
mir, wie ſie auf⸗ und abwandelt und in ihrem kleinen, aber


