Teil eines Werkes 
1. Bd. (1857)
Entstehung
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10 crſtes Kapitel

Nachmittag? Liegt das Schloß nicht ſo ſtill, wie ein aus⸗ geſtorbenes Kloſter? Dort in dem verfluchten Hofe läßt ſich keine Menſchenſeele ſehen, ja, ich verſichere dich, die Katzen fürchten vor Langeweile zu krepiren, deshalb bleiben ſie auf ihren Dächern und keine wagt ſich herunter. Sage mir, womit verbringſt du deine Zeit?

Ich denke über dies oder jenes nach, antwortete der Kammerherr;und dabei verliere ich mich in Reflexio⸗ nen und Kombinationen, daß mir die Zeit ſo ziemlich leidlich vergeht.

Der Adjutant hatte in ſeinem Spaziergange innegehal⸗ ten und ſich mit allen Zeichen der Ungeduld in einen der Fauteuils geworfen, und beſchäftigte ſich, indem er mit den Fingern auf den vor ihm liegenden Papieren trommelte.

So theile mir denn um's Himmelswillen etwas von deinen Gedanken mit, rief er nach einer Weile;wenn ſie nämlich für mich genießbar ſind. Wahrhaftig du biſt beneidenswerth um das Talent, dich ſo allein unterhalten zu können. 3

Und dabei profitire ich; denn in ſolchen Stunden faſſe ich oftmals die beſten Entſchlüſſe, und wenn ich ge⸗ rade dergleichen nicht vorhabe, ſo unterhalte ich mich mit meinen Phantaſien, baue Luftſchlöſſer und berathſchlage mit

mir ſelbſt, was, wenn dieſer oder jener Fall eintreten würde,

wohl am beſten zu thun ſei. Ja, das muß wahr ſein, ſagte der Andere mit