316 Der Künſtlerhof von Granada.
„Vieles davon mußt Du auch auf Rechnung des prächtigen Materials bringen,“ ſagte beſcheiden der lange Bildhauer;„es war das ein außerordentlich ſchöner Marmorblock.“
„Nein, nein, Du haſt ihn ausgezeichnet bearbeitet— ja, ja,
mein lieber Freund,“ fuhr er nach einem längeren Stillſchweigen kopfnickend fort,„wenn ich an Roderich's neues Bild denke, das ich, kaum angefangen, auf ſeiner Staffelei ſah, oder an die Zeich⸗ nungen Rodenberg's, oder wenn ich Deine Statue betrachte, ſo ver⸗ geht mir der Muth, Bleiſtift oder Pinſel in die Hand zu nehmen — was meinſt Du, Rafael?“ 3„Ich möchte mich beinahe darüber freuen,“ ſagte der kleine Schriftſteller demüthig,„daß ich kein Künſtler geworden, ja, daß ich eigentlich ſo wenig bin, daß man an mich nur beſcheidene An⸗ forderungen ſtellen darf.“
„Und doch,“ rief der alte Maler mit leuchtenden Augen, „wollen wir nicht verzagen— laß es gut ſein, mein Junge, bei ſolchen Freunden, in ſolcher Umgebung muß man was Tüch⸗ tiges leiſten!“
Weiter ſchreitend, zeigts Knorx den Freunden noch ein paar ſtattliche leere Räume für Gäſte, und zuletzt warfen ſie noch einen Blick in Schlegel's Werkſtatt, wie er ſein Atelier zu nennen pflegte.
Und bei dieſer Benennung hatte er nicht ganz Unrecht, denn hier ſchien Kunſt und Handwerk vereinigt zu ſein: da ſah man neben Bauplänen und Decorations⸗Entwürfen, welche die Wände bedeckten oder ſich halbfertig auf den Reißbrettern befanden, eine Hobel⸗ und eine Drehbank mit den dazu nöthigen Werkzeugen.
Als ſie hierauf durch den Garten zurück nach dem Hauſe gingen, führte ſie Knorx auf die große Terraſſe vor demſelben, wo alle Uebrigen ſchon verſammelt waren: Olfers und Conchitta, Roden⸗ berg und Juanita, Lord Warren und Margarethe, ſowie Don Joſe und Mercedes, welch letztere es ſich trotz des Kopfſchüttelns des alten
— Haushofmeiſters nicht hatte nehmen laſſen, heute Morgen die Sorge für den Frühſtückstiſch zu übernehmen.


