Der Künſtlerhof von Granada. 315
„Prächtig!“ jubelte Walter.
„Dort wird Rafael hauſen und die Chronik unſeres Künſtler⸗ hofes ſchreiben.*
Der kleine Schriftſteller ſagte nichts, aber während er ſo mit gefalteten Händen dahinging, waren ſeine Blicke um ſo beredter.
„Hier, Roderich's Atelier iſt der Mittelpunkt unſeres Künſtler⸗ lebens— nun, was ſagſt Du, Freund Walter? Glaubſt Du nicht, Du beträteſt wieder jenen Raum in der luſtigen Stadt Düſſeldorf, wo Roderich ſein ſchönes Bild gemalt?“
„Wahrhaftig, Knorx, ich bin wie ein altes Kameel, nachdem es zu viel Waſſer getrunken, denn die Tropfen rinnen mir unauf⸗ haltſam wieder heraus— das iſt ja wie Zauberei: hier iſt der Gobelin, unter dem wir eintraten, dort ſeine Staffelei, an der Wand ſeine Skizzen und Bilder, ſeine Waffen, ſeine Möbel, ſeine Geräthſchaften— drehe mich ein paarmal um mich ſelbſt herum, und ich werde darauf ſchwören, wir ſeien Alle um viele Jahre jünger geworden!“
„Das wohl nicht, aber anders, vielleicht beſſer,“ ſagte der Capuciner, wobei ſeine harten Geſichtszüge durch eine ruhige Milde förmlich verſchönert wurden—„ich wenigſtens fühle in meinem Herzen ſo etwas, und wenn Ihr eine Zeit lang hier unter dieſen guten und edlen Menſchen gelebt habt, bei dieſen herrlichen Künſt⸗ lernaturen, ſo werdet Ihr erfahren, welch ein himmliſcher Friede über Euch kommt— hier iſt Rodenberg's Atelier: an den Wänden ſiehſt Du die Originale ſeiner wunderbaren Zeichnungen, mit welchen er ſich in der unglaublich kurzen Zeit einen ſo großen Namen ge⸗ macht.— In dieſem Raume hauſe ich, und wenn Du Dir die Mühe geben willſt, meine angefangene Statue Moſes', die Tafeln des Geſetzes emporhebend, prüfend anzuſchauen, ſo wirſt Du mir ſagen, ob ich Fortſchritte gemacht habe.“
„Und welche Fortſchritte, mein lieber Knorx!“ rief der alte Maler freudig, nachdem er die Statue lange beſchaut—„Du biſt ein ganzer Kerl geworden!“


