314 Der Künſtlerhof von Granada.
den lebhafteſten Farben und den wundervollen arabiſcheu Zeich⸗ nungen leuchtete.
Knorx ſagte hier, als er mit großer Genugthuung das Stau⸗ nen der Freunde ſah:„Dies hier iſt im engeren Sinne der Künſt⸗ lerhof von Granada; Donna Juanita belegt freilich zuweilen ſcherzhaft unſere ganze Anſiedlung mit dieſem Namen, doch ſollte es eher heißen: Künſtler⸗Republik, denn von Allem, was zu einem Hofe gehört, findet Ihr hier keine Spur: wir kennen hier weder Neid noch Mißgunſt, Jeder freut ſich über das Glück und Wohl⸗ ergehen des Andern, Verleumdung iſt ein Begriff, der aus unſerem Wörterbuche geſtrichen iſt; ein Orden beſteht bei uns allerdings auch: der Granatblüth⸗Orden; Donna Conchitta hat ihn geſtiftet, und Jeder, der ſich deſſelben würdig glaubt, darf ihn ſich nehmen, aber noch hat Keiner davon Gebrauch gemacht, und ſo leben wir frei und glücklich, heute einfach und beſcheiden, morgen vornehm, faſt verſchwenderiſch, aber immer in wohlthuender, republikaniſcher Gleichheit, und deßhalb ſprach ich von einer Republik.“
„Falſch, falſch!“ rief der alte Maler mit ſtrahlenden Augen — pes iſt keine Republik! Wenn Du meine Bemerkungen auch für profan hältſt, ſo möchte ich doch Euer göttliches Zuſammenleben einen Prieſterſtaat nennen: Eure Gottheit, Euer beglückendes Sym⸗ bol iſt die hohe, heilige Kunſt, ſie hat Euer irdiſches Paradies hier erſchaffen, ſie, die ich einſtens erſtorben geglaubt und die nun in unvergleichlichem Glanze auch über mein armes, ſterbliches Haupt emporflammt— wir beten ſie an, Jeder auf ſeine Weiſe, und während unſere ſchönen Prieſterinnen ihren Altar mit Blumen bekränzen, wollen wir ihr dienen mit Pinſel, Griffel, Meißel und Feder— und wenn ich das nur eine Zeit lang in ſolch entzücken⸗ der Weiſe gethan, ſo möchte ich ſterben, denn ich habe den Höhe⸗ punkt meines Künſtlerlebens erreicht 16
„Du ſollſt aber leben, mein Freund, und noch lange glücklich leben!“ ſagte Knorx mit ſeiner ernſten Stimme—„hier iſt das Atelier.“ 4


