Der Künſtlerhof von Granada. 313
Sie die Hoffnung ausſprachen, daß das Atelier unſeres guten Herrn wohl doch wieder im alten Glanze erſtehen würde? Nun, ich ſehe, Herr Knorx führt Sie dahin— ich ſage Ihnen, Sie werden ſtaunen und ſich freuen!“
„Aus Staunen und Freude komme ich hier ſchon gar nicht mehr hinaus,“ gab Walter heiter zur Antwort,„doch muß ich vor der Hand Alles über mich ergehen laſſen, wie ein ausgedorrtes Land den wohlthätigen Regen; erſt wenn ich einmal mit Luſt und Freude gehörig durchweicht bin, kann ich ſelbſt wieder mittheilſam werden, und dann ſuche ich Euch auf, Andreas, und erzähle Euch von da drüben.“
Er reichte dem alten Gärtner ſeine Rechte, und als dieſer ſie mit ſeinen beiden Händen ergriff und innig drückte, zuckte es ſelt⸗ ſam auf Walter's Geſichte; dann folgte er raſch dem vorange⸗ gangenen Freunde.
Und welch prachtvolle Räume betraten ſie jetzt, ganz dazu ge⸗ eignet, der übermüthigſten Künſtlerphantaſie zu genügen: das Haus ſelbſt war ein mächtiges Viereck mit einem reizenden Hofe in der Mitte, deſſen rings umher laufender Gang aus hufeiſenförmigen, durchbrochenen Bogen beſtand, die von ſchlanken Marmorſäulen getragen wurden. In der Mitte des aus buntem Moſaik beſtehen⸗ den Fußbodens des Hofes befand ſich eine weiße Brunnenſchaale, aus der ein Waſſerſtrahl in die Höhe ſtieg, um mit einem ſanften Geplätſcher rings umher das Echo wach zu rufen; blühende Gra⸗ natbäume und duftende Orangen bildeten kleine Ruheplätze in den Ecken des Hofes, wo ſich niedere Tiſche und bequeme Stühle fanden, die dem Ganzen einen um ſo wohnlicheren Anſtrich gaben, als hier noch eine Menge Gegenſtände verrieth, daß der Hof häufig beſucht, ja, förmlich bewohnt wurde. Da ſtanden rieſenhafte Veilchen⸗ ſträuße in den bunten Vaſen, dort hing eine grellfarbige Manta über einem der Stühle, da lag ein breitkrämpiger Strohhut auf einem Skizzenbuche; hier befanden ſich Cigarren und lange Türken⸗ pfeifen, dort eine Laute auf dem prächtigen Tiſchteppiche, der in


