Teil eines Werkes 
56. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Der Künſtlerhof von Granada. 30⁵

kommen: ganz allein und unhörbar ſchritt ſie daher; ſie trug ein Kleid von kornblauer Farbe, einen eben ſolchen Sammetmantel und einen Hut von gleicher Farbe. Es wird Dir eigenthümlich vorkommen, daß ich, der ſonſt für Toiletten kein Gedächtniß hat, die der Marcheſa ſo genau behielt; doch war ſie gerade ſo ange⸗ zogen, als ich ſie zum letzten Male damals in Köln ſah es war am Aſchermittwoch. Sie trat alſo an Rodenberg heran, legte ihre Hand auf ſeine Schulter und ſagte zu ihm: Laß es jetzt genug ſein, mein Freund, da hinaufzuſchauen, wende Dich der Gegenwart wieder zu und begleite mich nach Hauſe.: Da ſah ich ihn zuſam⸗ menzucken, ſah, wie er ſeine Hände einen Augenblick vor das Ge⸗ ſicht preßte, und fürchtete ſchon, er würde ſie ſtehen laſſen und davonlaufen.

Nun, nun?

Er war aber geſcheit genug, das nicht zu thun; hätte er es aber gethan, ſo wären ihm von mir unermeßliche Grobheiten zu Theil geworden, denn ich war über ſeine Halsſtarrigkeit geladen bis oben hin wie war ſie ſo ſchön, wie ſah ſie ihn ſo bittend und ſo demüthig an! Und doch dauerte es einige für mich ſehr peinliche Secunden, ehe er ihr den Arm reichte und dem Ausgange des Domes zuſchritt. Gewonnen, gewonnen! jubelte es in mir, und ich alter Narr fühlte, daß es mit der Trockenheit meiner Augen nicht ganz richtig ſei, fühlte aber auch zu gleicher Zeit, wie mich Jemand leiſe am Arme berührte und wer glaubſt Du wohl, daß es geweſen ſei?

Nun, wahrſcheinlich Schlegel?

Weit gefehlt es war ihr alter Haushofmeiſter, der uns damals in Köln ſo wunderbar gepflegt und der lächelnd, aber mit zwinkernden Augen zu mir ſagte: ‚Welch ſchönes Paar! Und was man ein Paar nennt, wurden ſie bald hernach es war ein ſtilles, aber vergnügtes Hochzeitsfeſt, zu dem auch Roderich mit ſeiner Frau von Florenz herüber kamen.

Das ſchrieb mir Rodenberg und eben ſo, daß ſie beim Be⸗