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Der Künſtlerhof von Granada.
ginne des Frühlings Alle nach Spanien gehen würden— wo wir nun erwartet ſind,“ ſetzte er mit Stolz hinzu.
„Auf denn, nach Valencia!“ rief jovial der alte Maler— „vor der Hand nach Marſeille und dort Erkundigungen eingezogen, ob morgen Abend ein Schiff nach Barcelona und Malaga fährt.“
Das war nun leider nicht der Fall, ſondern der Dampfer hatte ſeine Abfahrt um mehrere Tage verſchoben, weßhalb die beiden Freunde am anderen Morgen in ſehr verdrießlicher Stim⸗ mung auf dem Quai von La Joliette ſtanden und den ankommen⸗ den wie den abfahrenden Schiffen zuſchauten.
„Wenn ich ein kleiner Millionär wäre,“ brummte Walter, „dann ließe ich mir für meine Perſon ſo ein Dampfſchiff ein⸗ ſpannen und führe allein davon.“
„Oder kaufteſt Dir eine kleine, elegante Dampfyacht, wie da draußen eine liegt— es iſt ein Engländer, man ſieht's an der Flagge; das Schiff hat geheizt und ſcheint bald in See gehen zu wollen.“*
„Natürlich,“ knurrte der alte Maler,„die da reiſen und wir müſſen zurückbleiben— es iſt keine Gerechtigkeit in der Welt, denn ſonſt führen wir dort mit dem Schiffe und der langweilige Eng⸗ länder bliebe hier und hätte alsdann hinlängliche Muße, ſich Mar⸗ ſeille noch einige Tage anzuſchauen.“
„Da kommt ein Boot von der Dampfyacht,“ ſagte Raphael, „bemannt wie das Fahrzeug eines Kriegsſchiffes— wie ſauber die Matroſen ausſehen mit ihren breiten, umgelegten Hemdkragen und ihren ſchwarzen, lackirten Hüten; das Boot iſt größer, als man vermuthet, es führt acht Ruder.“
„Und kommt gerade auf uns zu, als wolle es uns zur Mit⸗ fahrt einladen; auch greift der rothnaſige Kerl im Hintergrunde
an ſeinen Theerhut, als wolle er uns begrüßen— wer weiß,“ ſetzte Walter lächelnd hinzu,„ob ich nicht während der Nacht in irgend einen Mylord verwandelt worden bin, es hat mir nämlich was der Art geträumt.“
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