Teil eines Werkes 
56. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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304 Der Künſtlerhof von Granada.

welcher ihn damals veranlaßt, die leidige Farbenſchmiererei an den Nagel zu hängen erinnerſt Du Dich, kleiner Rafael?

Wohl erinnere ich mich.

Ja, ja, es war dieſelbe Zeit, wo ich auch Dir eine moraliſche

Kopfnuß gab, welche bei Dir gut angeſchlagen hat. Aber um wieder

auf Rodenberg zu kommen, ſo erſchienen damals die erſten Liefe⸗ rungen ſeiner prachtvollen Illuſtrationen über Don Quixote nun, Du wirſt davon gehört haben?

Und mit welcher Freude ich davon gehört, darüber geleſen, darüber geſchrieben habe! Hat doch ſelten etwas ein ſo ſchnelles, ungeheures Aufſehen gemacht; Rodenberg wäre ein gemachter Mann, wenn auch das Andere anders gekommen wäre. Alſo Du ſahſt Beide in Rom?

Ja, erwiederte der alte Maler, träumeriſch vor ſich nieder⸗ blickend,ich war dabei, als ſie ſich wiederſahen, und ich werde das nie vergeſſen.

O, erzähle mir das Rodenberg ſchrieb mir wohl darüber, aber ſeine Worte kamen aus einem ſo von Glück berauſchten Herzen, daß er ſich nur in Ausrufungen erging und ich mir mühſam den Faden der Begebenheit zuſammenſuchen mußte.

Daß Juanita mit ihrem Oheim Don Joſe in Rom war, wußte ich von Schlegel, der ſich bei ihr befand und ihr im Ankaufe von Kunſtwerken aller Art behülflich war, auch daß ihr derſelbe genau und bündig erklärt hatte, welch harmloſes Verhältniß da⸗ mals zwiſchen Rodenberg und ſeiner ſchönen Krankenpflegerin Leonie beſtanden wir wiſſen das ja ebenfalls. Nun war aber Arthur ſo eigenihümlich und ſcheu geworden, daß ſie überzeugt ſein konnte, er würde Rom augenblicklich verlaſſen, wenn er Kunde erhielte, daß die Marcheſa de Monterey ebenfalls dort ſei. Da waren wir an einem ſtillen Nachmittage faſt allein in dem Dome von Sanct Peter: Rodenberg hatte ſeine Blicke erhoben zur Wölbung der majeſtätiſchen Kuppel, und ich, der wußte, was ſich begeben ſollte, hatte mich an einen der Pfeiler zurückgezogen ich ſah ſie wohl