298 Vierundfünfzigſtes Kapitel.
„Ich mache nur eine kleine Reiſe,“ ſagte er zur Beſchwichtigung des alten Herrn, welcher ſtets zuvorkommend gegen ihn geweſen war und auch jetzt mit freundlicher, bittender Miene einige Ein⸗ wendungen nicht unterlaſſen konnte.
„Seine Herrlichkeit werden betrübt ſein, Sie nicht mehr hier zu finden!“
„Vielleicht kehre ich raſcher hieher zurück, als Sie ſich ein⸗ bilden, mein lieber Herr Augier— ſenden Sie mir die Briefe Lord Warren's, welche an mich einlaufen, und ſollten Sie Seiner Herrlichkeit ſchreiben, ſo bitte ich, ihm zu ſagen, daß ich meines Verſprechens eingedenk ſei und ihm ſo bald als möglich Nachrichten von mir geben würde.— Nun leben Sie wohl und empfangen Sie meinen innigſten Dank für alle Güte, welche Sie gegen mich gehabt!“
Der alte Haushofmeiſter drückte ihm herzlich beide Hände und ſah ihm darauf kopfſchüttelnd nach.„Es iſt doch etwas Eigen⸗ thümliches um ſo eine Künſtlernatur— könnte behaglich wohnen in einem der comfortabelſt eingerichteten Hotels, wo ihm Alles zur unbeſchränkteſten Verfügung ſteht: Dienerſchaft, Reitpferde, Equi⸗ page im Hauſe ſeiner Herrlichkeit des Lords Warren— bei mir— und rennt da, den Stock in der Hand, den Plaid auf der Schulter, in die Welt hinaus!“
Als Rodenberg die Treppe hinabſprang, dachte er an Rafael.— Warum nochmals von dieſem guten Kerl einen vielleicht wehmüthigen Abſchied nehmen? Ich werde ſeiner gedenken, wie er auch meiner gewiß nicht vergeſſen wird, und daß wir uns wiederſehen, davon bin ich feſt überzeugt!“
So ſchritt er durch die Straßen, ſein Skizzenbuch unter dem Arme, den Stock in der Hand, ſeinen zuſammengewickelten Plaid auf der Schulter, im Beſitze einer Baarſchaft, welche ge⸗ ringer war als die, mit der er vor ſo und ſo viel Jahren hier eingewandert.
So lange er rechts und links Häuſer hatte, ging er langſam,


