Wohl bin ich frei nun, wie der Falk'! 297
Rodenberg hatte Alles das beſorgt mit einer faſt unerklärlichen Ruhe, im Gegenſatze zu der Aufregung, die man wohl bei ihm hätte vorausſetzen können; doch war dieſe Ruhe keine erkünſtelte, vielmehr hatte ſich ein Behagen über ihn ausgegoſſen, welches wir zu empfinden pflegen, wenn wir uns nach einem ermüdenden Tage⸗ werke endlich aller Sorgen entſchlagen haben und in angenehmem Nichtsthun die Bilder der letzten Vergangenheit an uns vorüber⸗ gleiten laſſen.
Unter dieſen Gefühlen fuhr Rodenberg nach Hauſe und lächelte ſtill in ſich hinein, als er an dem Schloſſe vorüberkam, als er die Straßen alle ſah, durch die er ſchon unter ſo wechſelnden Ver⸗ hältniſſen gewandelt war, als er endlich ſeine ehemalige Wohnung erblickte, im Aeußern bis auf die an der Thür lungernden Be⸗ dienten unverändert, wobei er ſich indeſſen des eigenthümlichen Gedankens nicht entſchlagen konnte, als kehre er heute wieder nach jahrelanger Abweſenheit zurück. Und dabei fühlte er, wie fremd ihm Alles geworden— ja, ſo fremd, daß er den Augenblick kaum erwarten konnte, wo ihm geſtattet wäre, der Stadt den Rücken zu kehren.
Glücklicher Weiſe konnte er dieſen Augenblick beſchleunigen, und er that es mit einer faſt ängſtlichen Haſt.
4 In der Wohnung Lord Warren's angelangt, vertauſchte er ſeinen Anzug mit dem, von welchem wir weiter oben geſprochen, und als er ſich in der einfachen Sammtblouſe ſah, um den Hals das loſe geknüpfte ſeidene Tuch, als er ſeinen weichen Hut ſchief auf ſein reiches Haar drückte und wie zur Probe ſeinen ſchweren Wanderſtab ſchwang, da flog ein behagliches Lächeln über ſeine Züge und er beeilte ſich, den kleinen Koffer, den er ſchon lange gepackt hatte, vollends anzufüllen, zu verſchließen und mit einer Aufſchrift zu verſehen, wohin ihm derſelbe nachgeſchickt werden ſolle— und eben dahin, ſagte er dem hereintretenden Haushof⸗
meiſter, möge er auch die Güte haben, ihm alle einlaufenden Briefe zu ſenden.


