Wohl bin ich frei nun, wie der Falk“
Die ſchwarzen Herren mit der weißen Halsbinde fuhren wie der Blitz zurück, um einem jungen Manne Platz zu machen, welcher dieſes letzte Angebot gethan.
„Ah, Herr Rodenberg!“ tönte es von der Lippe des Ober⸗ Hofmarſchalls, wobei man bemerkte, wie das Antlitz Seiner Excel⸗ lenz von tiefer Zornesröthe übergoſſen wurde.
Rodenberg verbeugte ſich auf eine gefällige Art und entſchul⸗ digte ſich bei dem Auctionator, daß er leider gekommen ſei, um ihm weitere Mühe zu machen.
Der Name Rodenberg's hatte ſich, allerdings in Ziſchlauten, mit der Schnelligkeit eines Lauffeuers durch die anweſende Geſell⸗ ſchaft verbreitet und manchen Herrn und manche Dame, die bis jetzt behaglich in ihren Sitzen geruht, um mit großer Genugthuung das dritte letztmalige Aufſchlagen des Hammers zu vernehmen, von ihren Sitzen emporgeſchnellt und ihnen Veranlaſſung gegeben, in ſprachloſer Ueberraſchung den frechen Eindringling durch Lorgnetten und Gläſer aller Art zu betrachten.
„Iſt denn das möglich?“
„Ja, es war ſo, und wenn ſich auch der Ober⸗Hofmarſchall mit der Hand über die Augen fuhr, wie um das verhaßte Bild des jungen Mannes verſchwinden zu laſſen, ſo bemerkte er dieſen doch in der nächſten Secunde wieder mit einem ruhigen Lächeln vor ſich ſtehen und ſah an dieſem ruhigen Lächeln, daß er es mit einem Gegner zu thun habe, der wahrſcheinlich gut gerüſtet ſei und den er nicht im Stande war, durch Stirnrunzeln und finſtere Blicke zu verſcheuchen.
Faſt hätte Rodenberg das Bild um fünfzigtauſend Thaler ge⸗ habt, doch trat hier abermals der freundliche ſchwarze Herr in's Mittel, indem er den Auctionator flüſternd darauf aufmerkſam machte, Seine Excellenz ſeien überraſcht, ja, förmlich beſtürzt, und er möge ſich um Gottes willen nicht übereilen. „Fünfundfünfzigtauſend Thaler!“ ſagte der Ober⸗Hofmarſchall. „Sechzigtauſend Thaler!“ ſprach Rodenberg.


