292 Vierundfünfzigſtes Kapitel.
Die Verſteigerung war unterdeſſen langſam fortgegangen, denn nicht bloß der Ober⸗Hofmarſchall hatte nur in kleinen Summen geboten, ſondern der Kunſthändler war ein paarmal zurlkgetreten, um mit einem Bekannten zu flüſtern, ehe er wieder weiter bot. Dadurch war einmal eine ſo gefährliche Pauſe entſtanden, daß der Hammer ſchon zum drittmaligen Zuſchlage in der Luft ſchwebte und wohl auch niedergefallen wäre, wenn nicht einer der ſchwarzen Herren den Arm des Beamten berührt hätte.
„Ich muß ſehr bitten, das künftig zu unterlaſſen!“ hatte ihn der Ober⸗Hofmarſchall angeherrſcht, und Jener darauf erwiedert: „Verzeihen mir Eure Excellenz, ich dachte an meine Armen und an meine Kranken!“
„Das kümmert mich wenig— wenn dergleichen wieder vor⸗ kommt, ſo werde ich den Auctionator dafür verantwortlich machen — weiter, wenn ich bitien darf!“— Dieſes ‚weiter“ aber ſprach er in einem ſolchen Tone und begleitet von einem ſo herausfordern⸗ den Blicke, daß ſich der Kunſthändler achſelzuckend abwandte und ſich auch die Fünfhundert⸗Thaler⸗Stimme nicht mehr hören ließ.
„Fünfundvierzigtauſend Thaler zum erſten Male!“ ſagte der Auctionator—„und fünfundvierzigtauſend Thaler zum zweiten Male!“
„Uebereilen Sie ſich gar nicht,“ ſprach jetzt der Oberhofmar⸗ ſchall mit einer Würde, welche einen Beifall verdient hätte— „übereilen Sie ſich nicht; man ſoll uns nicht nachſagen, als hätten wir nicht mit großer Ruhe ein neues Gebot erwarten können.“
„Bravo— unvergleichlich!“ hörte man flüſternde Stimmen aus der Geſellſchaft.
„Ich wiederhole alſo: fünfundvierzigtauſend Thaler zum zweiten Male— und fünfundvierzigtauſend Thaler zum....
Statt das Wort ‚dritten Male“ aber auszuſprechen, blieb der Beamte mit offenem Munde da ſtehen, als eine bis jetzt noch nicht gehörte Stimme in ſehr ruhigem Tone ſagte:
„Fünfzigtauſend Thaler.“


