Wohl bin ich frei nun, wie der Falk'! 289
zehntauſend Thaler“—„und fünfhundert“— nur mit dem kleinen Unterſchiede, daß dem Lächeln des Ober⸗Hofmarſchalls jetzt ein klein wenig Entrüſtung beigemiſcht war und daß ſchon mehrere Lorgnetten an hochadeligen Augen den unſichtbaren Bieter zu entdecken ſuchten.
Doch blieb dieſer nicht allein, und nachdem das Bild die Summe von achtzehntauſend Thalern erreicht hatte, vernahm man auch noch andere Bieter, am Tiſche ſtehend, ſowie aus dem Hinter⸗ grunde, welche das Gemälde in Kurzem auf die Summe von fünf⸗ undzwanzigtauſend Thalern hinaufbrachten.
Der Kammerherr Freiherr von Schenk, welcher an dem be⸗ zeichneten Fenſter ſtand, hatte ſchon ein paar Mal angefangen, ſein weißes Sacktuch herauszuziehen, daſſelbe aber in die Rocktaſche zu⸗ rückfallen laſſen, wenn er bemerkte, wie Seine Excellenz zuweilen mit den Achſeln zuckte und wie ſich die Gegner deſſelben mit jedem Angebot mehrten.
„Dreißigtauſend Thaler.“
„Einunddreißigtauſend Thaler.“
„Zweiunddreißigtauſend Thaler.“
„Fünfunddreißigtauſend Thaler,“ hörte man die Stimme des Ober⸗Hofmarſchalls und ſah ihn, wie er, die Arme über einander geſchlagen, etwas rückwärts gebogen da ſtand, die Naſe hoch er⸗ hoben, ein leichtes Lächeln um die Lippen und die Augen feſt ge⸗ heftet auf einen Kunſthändler, welcher ihm gerade gegenüber ſtand und gegen ihn bot, aber nicht ohne Zeichen einiger Verlegenheit und Unbehaglichkeit.
Fünfunddreißigtauſend Thaler,“ wiederholte der Beamte, und einer der ſchwarzen Herren neben ihm ſagte kopfſchüttelnd mit ge⸗ falteten Händen halblaut zu ſeinem Nachbar:
„Das iſt ein ſehr niedriger Preis für dieſes Kunſtwerk.“
Und es war, als hätte dieſe Bemerkung die Bruſt des Kunſt⸗ händlers mit neuem Muthe umpanzert, denn er ſagte:„Sechsund⸗ dreißigtauſend Thaler.“
„Und fünfhundert,“ klang es abermals aus dem Hintergrunde.


