Wohl bin ich frei nun, wie der Falk! 287
wurde das mit collegialiſcher Freundlichkeit abgemacht, und die eine Excellenz trat gern zurück, wenn die andere Excellenz ein Angebot gethan. Daß die zu löſende Summe hiedurch nicht bedeutend wurde, verſteht ſich von ſelbſt, doch war das ja nur Nebenſache; lag ja der Schwerpunkt der Verſteigerung, wie wir oben ſchon er⸗ wähnt, ganz wo anders. Zu bedauern war dies immerhin, da der ganze Erlös, inbegriffen der für das Murillo'ſche Bild, durch die Güte des verſtorbenen Prinzen zu einer mildthätigen Stiftung be⸗ ſtimmt war.
Die Vorſteher dieſer wohlthätigen Stiftung, ernſte Herren in ſchwarzen Röcken, welche ſich bei dieſer feierlichen Gelegenheit mit hohen, weißen Cravatten herausgeputzt hatten, ſtanden dicht am Tiſche, und ihre bekümmerten Mienen zeigten deutlich, daß es ihnen wohl lieber geweſen wäre, wenn die eine Excellenz der anderen dieſe Reitpeitſche oder jenen Theekeſſel unter keiner Bedingung gegönnt hätte.
Dieſe kleinen Plänkeleien mochten eine halbe Stunde gedauert haben, während welcher Zeit die Anweſenden ihre Aufmerkſamkeit zwiſchen der Verſteigerung und dem ungenirten Geſpräch mit ihren Nachbarn getheilt hatten— es war noch kein rechter Ernſt bei der Sache, und auf beiden Seiten ſah man Gruppen plaudernd fern vom Tiſche ſtehen, und andere, welche an den beiden Enden des Saales auf und ab ſchritten und nur zuweilen einen gleichgültigen Blick hinüberwarfen.
Jetzt aber hatte ſich der Auclionator umgewandt, die Stirn mit einem rothcarrirten Sacktuche abgewiſcht, und als er ſich jetzt wieder der Verſammlung entgegendrehte, war im Gegenſatze zu früher— er hatte nämlich bis dahin zuweilen kleine ſchelmiſche Aeußerungen in die Verſteigerung einfließen laſſen— ſein Geſicht von einem feierlichen, würdevollen Ausdrucke umfloſſen, und er ſtützte die rechte Hand auf den Tiſch, was ſein Anſehen vermehren ſollte, und ſagte:„Meine hohen Herrſchaften und verehrungswür⸗ diges Publikum! Wir kommen jetzt zu dem zweiten Theile unſeres


