Ich bin Dir nah', Du ahnſt es nimmer! 41
erſten Klängen der Vorhang raſch aus einander flog und nun vor dem erſtaunten Auge der kleinen Geſellſchaft die Decoration des zweiten Bildes zeigte, aber mit ganz anderer Staffage und Beleuch⸗ tung: das Waldthal, deſſen wir uns wohl erinnern, beſonders aber das ſcharf hervortretende Schloß lag da in glühender Abendbeleuch⸗ tung, die ſo natürlich, ſo meiſterhaft war, daß ſich die Zuſchauer, beſonders der Fürſt, eines lauten Ausrufes der Bewunderung nicht erwehren konnten.
„Vortrefflich,“ ſagte Seine Hoheit und wandte ſich alsdann mit den erklärenden Worten zur Marcheſa:„Bei der Aufführung von heute Abend ſahen wir das alles in der Morgendämmerung, nach und nach Tag werdend— geben Sie Achtung, Rodenberg hat noch eine andere Ueberraſchung für uns im Hintergrunde, und mit welch' veränderter Staffage er diesmal das Bild ausge⸗ ſchmückt hat!“
In der That, eine ganz eigenthümliche Staffage!
Da ſah man allerdings tief im Schatten der Laubmaſſen, aber doch deutlich und ſcharf hervortretend, vier trotzige Geſtalten, Eichen⸗ kränze um die ſtruppigen, bärtigen Häupter, Thierfelle um die Schultern, Keulen in den Händen, vor ihnen die Figur eines Zwerges— zwerghaft im Gegenſatze zu den rieſigen Geſtalten der wilden Männer—, der ein Horn in ſeinen Händen trug und es einem Jäger anzubieten ſchien, der am Stamme einer Buche lehnte und mit verwundertem Blicke auf die Gruppe zu ſchauen ſchien.
„Rodenberg,“ ſagte die Gräfin Blendheim—„wie gut er ausſieht!“
„Vortrefflich— und wie paſſend es iſt, uns ſo, ſtatt eines herausgeriſſenen Bildes aus dem Märchen, etwas ganz Neues zu improviſiren— Bravo, Bravo!“
Prinz Heinrich, deſſen Bruſt ein tiefer Athemzug ſchwellte, konnte ſich nicht enthalten, einen flüchtigen Blick auf die Marcheſa zu werfen, auf deren ſchönem, ruhigem, marmorähnlichem Geſichte nur der Ausdruck einer aufmerkſamen Zuſchauerin zu leſen war


