42 Fünfundvierzigſtes Kapitel.
und um deren Lippen nur ein ganz unbedeutendes Lächeln ſpielte, wie als Compliment für ihren freundlichen Nachbar und Feſt⸗ geber. 4 Die rauſchende Muſik hinter der Scene verſtummte, und wie ſie, ſchwächer und ſchwächer werdend, endlich nur noch wie im An⸗ fange von den vier Waldhörnern ausgeführt wurde, verminderte ſich die Glut des Abendſonnenſcheines; die unteren Partieen des Bildes hüllten ſich in tiefe, nächtliche Schatten, und nur ein paar Secunden lang ſah man noch das Schloß im Hintergrunde, an⸗ gehaucht vom letzten Strahle der Sonne; dann wurde auch dieſes kalt und farblos, und als nun zwei der Waldhörner ſchwiegen und die beiden anderen im Zweiklange hinzuſterben ſchienen, blitzte mit Einem Male auf dem jetzt ganz dunkeln Himmel ein einziger, ſanft funkelnder Stern, worauf ſich der Vorhang geräuſchlos ſchloß. „Bravo, Bravo!“ rief der Fürſt, indem er heiter in ſeine
Hende ſchlug—„Bravo, Rodenberg!— Hat er nicht ſeine Auf⸗
gabe herrlich gelöst,“ wandte er ſich hierauf an die Gräfin Blend⸗ heim,„und uns zugleich auf eine zierliche Art gute Nacht geſagt? Ah, die Idee mit dem Stern iſt doch eine ganz vortreffliche Idee — wie ſagten Sie doch vorhin, mon cher oncle? Das iſt der Stern der Liebe, den ich dort flimmern ſah— erſchien er Ihnen nicht auch ſo, verehrteſte Frau Marcheſa?— Und wie hat Ihnen überhaupt die ganze kleine Vorſtellung gefallen?“
Juanita verbeugte ſich lächelnd und dankend gegen Seine K König⸗ liche Hoheit und ſagte hierauf:„Ich muß geſtehen, daß hier die Täuſchung bis zu einem Grade getrieben iſt, den ich ſelbſt für unmöglich hielt— Sie müſſen ganz vortreffliche Decorateure und Maſchiniſten haben!“
„Gewiß, Frau Marcheſa,“ erwiederte der Fürſt und ſagte dann, indem er ſich gegen ſeinen Oberſt⸗Hofmeiſter wandte:„Sie werden ſehen, wir haben an dieſem Schlegel eine brillante Acquiſition gemacht— aber,“ ſprach er hierauf wieder direct zur Marcheſa, „die Hauptperſon bei allen dieſen Arrangements iſt doch Rodenberg
d1


