Ich bin Dir nah', Du ahnſt es nimmer! 39
italieniſchen Salates aller möglichen Komponiſten, deren Namen ſich auf i endigen, denn Seine Königliche Hoheit waren ein Lieb⸗ haber wälſcher Muſik! Wie graziös verneigten ſich die Staats⸗ und Hofdamen vor der Frau Fürſtin⸗Mutter, die ihnen mit lächelndem Rundblicke wohl geſpeist zu haben wünſchte— wie raſch unterbrachen dort die alten Excellenzen ihre Erörterung über die wichtige Streitfrage, ob es erſprießlicher ſei, zuerſt das Oel und dann den Eſſig an den Salat zu gießen— wie ſchnell verſorgten noch ein paar wohlgenährte Stabsofficiere ihren Bordeaux und ihr letztes Glas Champagner, ſelbſt auf die Gefahr hin, ſich durch einen plötzlichen Huſtenanfall vor dem umherſchauenden Oberſt⸗Hofmeiſter zu verrathen— wie ſchien dort ein magerer Referendar und ein junger Lieutenant jeder vier Paar Hände zu haben, wenn man die unglaubliche Geſchwindigkeit anſah, mit der noch zu guter Letzt ein halbes Dutzend Orangen und eine eben ſo große Zahl Bonbons von den benachbarten, kaum zu erreichenden Aufſätzen verſchwanden!“
Die Frau Fürſtin⸗Mutter war freundlich genug, ſich ſogleich nach dem Souper zurückzuziehen und ſo der jüngeren Welt noch einige Stunden lang ein ungeſtörteres Tanzvergnügen zu verſchaffen.
Seine Königliche Hoheit hatte noch ein paar kühle, aber doch gnädige Worte für die Gemahlin des engliſchen Geſandten, die an ſeiner Seite geſeſſen, nickte auch Dieſen oder Jenen in der Nähe oder Ferne flüchtig zu, um alsdann, ſich raſch umdrehend, den Cirkel zu durchbrechen, der ſich, in ehrfurchtsvollem Schweigen ein gnädiges Wort unterthänigſt und treugehorſamſt zu erwarten, um ihn gebildet hatte.
Er eilte auf die Gräfin Blendheim zu, die, mit dem Prinzen Heinrich plaudernd, etwas bei Seite ſtand, und ſagte:„Wie froh bin ich, daß dieſes langweilige Souper zu Ende iſt— wenn nur Rodenberg Wort gehalten hat— ich bin begierig wie ein Kind, nochmals dieſe ſchöne Decoration zu ſehen— wo iſt die Marcheſa? Glauben Sie, daß Rodenberg uns im Stiche laſſen wird?“
„Gewiß nicht,“ ſagte Prinz Heinrich—„er iſt eben ſo energiſch


