Teil eines Werkes 
56. Bd. (1873) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Fünfundvierzigſtes Kapitel.

und neidiſcher Augen, in der Geſellſchaft Seiner Königlichen Hoheit meines allergnädigſten Herrn.“

„Und Sie ſahen ſie wieder?“

„Ich ſah ſie und ſie ſah mich.“

„O, wie glücklich Sie ſind!— Und Sie ſprachen mit ihr?“

„Ein paar ſehr gleichgültige Worte— ſie erinnerte ſich meiner nur noch ſehr ungenau.“

„Sollte das möglich ſein— ſollte ſie jenes ſchönen Tages ſo ganz vergeſſen haben?“

„Des ſchönen Tages vielleicht nicht ſo ganz, aber wohl der einzelnen an ſich unbedeutenden Figuren, aus denen das Feſt jenes ſchönen Tages beſtand.“

„Und Sie wollen es ihr in Erinnerung bringen, indem Sie mich als Zwerg erſcheinen laſſen?“

„So iſt es beinahe, mein lieber Rafael,“ ſagte Rodenberg mit einem faſt traurigen Tone;„ich möchte es ſie nur erkennen laſſen, daß wir ihrer nicht ſo ganz vergeſſen haben, wie ſie unſer vergaß.“

„Gut, verwandeln Sie mich und machen Sie mich jenem glück⸗ lichen Zwerge ſo ähnlich, als nur möglich.“

„Ich erinnere mich des Coſtumes noch ziemlich genau,“ ſagte Rodenberg, indem er einen der anweſenden Theaterſchneider hervor⸗ winkte und ihm darauf Befehl zum Herbeibringen verſchiedener Garderobeſtücke ertheilte; dann ſandte er ſeinen Diener nach Hauſe in ſeine Wohnung, um von dort das bewußte Horn herbeizuholen.—

Es war beinahe Mitternacht geworden, als die Frau Fürſtin⸗ Mutter, nachdem ſie einen Blick mit ihrem Sohne gewechſelt, ſich vom Souper erhob und ſo das Zeichen zum allgemeinen Aufbruche gab.— Wie geräuſchvoll rutſchten die Stühle, wie bemühten ſich die Lakaien, mit der größten Geſchwindigkeit möglichſt viele derſelben unter den Betreffenden, nachdem ſie ſich kaum zur Hälfte erhoben, wegzureißen, und wie gefährlich wäre es geweſen, ſich in einem ſolchen Augenblicke noch einmal auf ſeinen Sit niederlaſſen zu wollen! Wie beſchleunigte das Orcheſter die letzten Tacte ſeines