Teil eines Werkes 
56. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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36 Fünfundvierzigſtes Kapitel.

und indem er ihm die Hand auf die Schulter legte:„Keine Ent⸗ ſchuldigung, Rafael; ich freue mich ſehr, daß Du gekommen biſt, denn Du kannſt mir einen großen Dienſt leiſten.“

„Mit tauſend Freuden!“

„Siehſt Du wohl, kleine Spinne, wie unnöthig es war, daß Du Dich ſträubteſt, mit uns zu gehen— Walter hat immer Recht, auch wenn er ſcheinbar im Unrecht iſt; das ſind die geiſtreichen Combinationen ſeines Gehirns, deren Flügelſchlag in erregtem und bewegtem Zuſtande lauſchend er ſicher iſt, das allein Wahre und Richtige zu finden— war das nicht ſchön geſagt?“

„Wunderbar— aber jetzt thue mir den Gefallen und halte für eine kurze Weile Dein Maul und laſſe Dich dort auf dem gepolſterten Felſen nieder.“

„Darf man hier rauchen?“

„Gott ſoll mich bewahren— Du haſt gute Begriffe von einem Hofballe!“

Darauf theilte Rodenberg dem Decorationsmaler den Wunſch des Fürſten mit, worauf letzterer raſch ſeinen Rock abwarf, die Arbeiter um ſich verſammelte und ihnen mit leiſen Worten ſeine Befehle gab.

Rodenberg hatte alsdann den kleinen Rafael am Arme genom⸗ men und ihn mit ſich in's Garderobezimmer geführt.

„Willſt Du mir in der That einen kleinen Dienſt leiſten?“

„Wie können Sie fragen— habe ich Sie nicht ſchon oft gebeten, rückſichtslos über mich zu verfügen? Was ſoll ich thun? Gebrauchen Sie meine Füße oder meine Feder?“

„Dieſes Mal Dich ſelbſt, Deine ganze Perſönlichkeit, mein lieber Rafael, und zwar zu einer kleinen Maskerade— es ſoll ſpäter noch ein lebendes Bild geſtellt werden, und in demſelben will ich Dich mit als Staffage benutzen.“

„Nur zu— als was wollen Sie mich gebrauchen? Als irgend einen fahrenden Ritter vor den Fenſtern einer hartherzigen Schönen? Schade alsdann, daß meine Geſtalt nicht höher und bedeutender iſt.“