34 Fünfundvierzigſtes Kapitel.
geſchloſſenen Augen, ward es in ſeinem Innern licht und lichter, taghell, und wie auf dem leuchtenden Kreiſe eines Schattenſpiels erſchienen ihm in bunter Reihenfolge vergangene gute und ſchlimme Tage, ausgedrückt durch bekannte Geſichter, ihn bald finſter, erbittert anſchauend, bald heiter, ja, glücklich lächelnd. In beiderlei Geſtalten erſchien ihm Juanita, zuerſt wie damals im Walde als gütige, glückverheißeude Fee— ach, ſo heiter lächelnd, ihn ſo unverkennbar liebend anblickend, dann plötzlich wie zurückfahrend, das ſchöne Antlitz in düſterem Ernſte, die leuchtenden Augen Zorn und Haß ausdrückend. So ſtand ſie lange vor ſeinem inneren Auge, die rechte Hand drohend erhoben, nach und nach langſam verblaſſend, bleicher und lichter werdend und endlich wie ein Hauch an ihm vorüberſchwebend.
Haſtige und derbe Tritte, welche ſich in dieſem Augenblicke raſch auf dem hohltönenden Boden ihm näherten, ſchreckten ihn aus ſeinen Träumereien auf; emporblickend, ſah er Schlegel, welcher ſich ihm in ſehr heiterer Laune näherte und nun lachend ſagte: „Das muß ſchon wahr ſein, in kurzer Zeit bin ich ein viel ver⸗ langter Mann bei Hofe geworden— welche Befehle haben die Götter und Halbgötter dieſer Erde für mich armen Sterblichen?“
„Wahrſcheinlich zuerſt,“ erwiederte ihm Rodenberg flüſternd, aber mit großer Deutlichkeit,„daß Sie Ihre Stimme etwas mäßigen und nicht ſo ſchreien, daß man es im ganzen Saale hören kann.“
„Richtig, richtig,“ verſetzte der Andere, ſich heiter umſchauend 8
7 „dachte ich doch nicht mehr daran, wo wir uns befinden, habe ich doch Wald und Flur hier ſo verdammt täuſchend gemalt, daß ich ſelbſt glaubte, ich befinde mich in tiefer Einſamkeit; aber ich bin überzeugt, daß es etwas Wichtiges iſt, was mich hieher ruft, denn ſonſt wäre es wahrlich ſchade um die intereſſante Sitzung, welche Ihr hereinſtürmender Lakai unterbrochen.“
„Sehr ſchade!“ vernahm Rodenberg jetzt eine andere Stimme in ſehr brummigem Tone, und als er aufblickte, ſah er Walter


