32 Fünfundvierzigſtes Kapitel.
fühl habe, für mein unverantwortliches Zuſpätkommen genügend beſtraft zu ſein.“
Der Fürſt machte unter einem zufriedenen Lächeln eine kleine Neigung mit dem Kopfe, worauf er ſich gegen Rodenberg wandte und, einen Schritt ſeitwärts machend, dieſen nöthigte, ihm zu folgen.
Prinz Heinrich näherte ſich den beiden Damen, und da er ſie zu gleicher Zeit veranlaßte, den Bau eines prachtvoll gefärbten japaniſchen Ahorns zu bewundern, der in einer Bronzeſchale von wunderbarer Arbeit ſtand, ſo waren die beiden Gruppen im Pflanzen⸗ ſaale ſo weit getrennt, daß der Fürſt nicht gar zu leiſe mit Roden⸗ berg zu reden brauchte, ohne daß er hätte fürchten müſſen, von
den Anderen gehört zu werden, und es lag in ſeiner Abſicht, ihm
etwas ganz im Geheimen zu ſagen.
„Ich möchte dieſer ſchönen Frau und großen Künſtlerin eine kleine Ueberraſchung machen,“ ſprach er;„ſie hat ſo aufrichtig be⸗ dauert, unſere lebenden Bilder nicht geſehen zu haben, und mir wäre viel daran gelegen geweſen, ihr Urtheil über unſere Decora⸗ tionen zu hören. Wäre es Ihnen möglich, lieber Rodenberg, es mir zu arrangiren, daß wir nach dem Souper ganz en petit comité noch einmal jenes Bild ſehen könnten, wo das Schloß von der Morgenſonne beleuchtet erſcheint— iſt das möglich?— Doch was frage ich,“ ſetzte er mit einent verbindlichen Lächeln hinzu, „Sie haben das Wort ‚unmöglich“, wie Sie mir ſelbſt ſchon ſcherz⸗ haft geſagt, aus Ihrem Wörterbuche geſtrichen— bleiben Sie auch jetzt bei Ihrem Ausſpruche?“
„Gewiß, Königliche Hoheit, und wenn es auch nicht ſo ganz leicht iſt, Ihren Befehl zu erfüllen, denn ich habe kaum noch anderthalb Stunden und man muß meine Maſchiniſten und Ge⸗ hülfen in der Stadt zuſammenſuchen laſſen, ſo hoffe ich es doch möglich zu machen, das befohlene lebende Bild nach dem Souper, alſo ungefähr gegen zwölf Uhr, ſtellen zu können— nur Eins iſt unmöglich, ohne zu großes Aufſehen zu machen.“
„Und was wäre das?“


