Fünfundvierzigſtes Kapitel.
einen kleinen Wintergarten, der, obgleich erſt nach ſeinen Plänen und ſpäter ans Schloß gebaut, doch von ihm auf eine höchſt reizende Art in das große Appartement mit hereingezogen war und mit ſeiner Kühle, ſeinem Pflanzendufte, ſeinem murmelnden Spring⸗ brunnen ein allerliebſtes Retiré für die allerhöchſten Herrſchaften war. Dort ſtand der Fürſt, neben ihm der Prinz Heinrich mit ſeltſam leuchtenden Blicken und vor ihnen zwei Damen, die Gräfin Blendheim und— ſie—, welche der junge Mann augenblicklich erkannie, obgleich er ihr Geſicht nicht ſehen konnte— ja, zwiſchen dem Grün der Pflanzen hindurch kaum die zierlich geſchwungene Form ihres Wuchſes und die aufrechte Haltung ihres Hauptes— aber er würde ſie erkannt haben, ſelbſt wenn er bei zweifelhaftem Lichte nur ihren Schatten geſehen hätte!
Rodenberg fühlte, wie gewaltſam das Blut nach ſeinem Herzen ſtrömte; er mußte einige Male heftig und tief aufathmen, um ſeiner Bewegung Herr zu werden, wobei er wie angefeſſelt auf der Stelle ſtehen blieb— ja, er vermochte es nicht, auch nur den kleinſten Schritt vorwärts zu machen, und war im Begriffe, ſich langſam und geräuſchlos wieder zurückzuziehen.
Doch es war zu ſpät— der Fürſt, welcher den Kopf um⸗ wandte, hatte ihn geſehen und rief ihm zu:„Gut, daß Sie kommen, ich fürchtete ſchon, Sie wären mir heimlich davongegangen.“
Der junge Maler, ſich wie ein Mann faſſend, trat mit langſamen Schritten und einer ehrerbietigen Verbeugung gegen die Gruppe näher. Alle ſchauten ihn an, aber auf verſchiedene Weiſe: der Fürſt gleich⸗ gültig, mit einem Auftrage beſchäftigt, den er ihm ertheilen wollte
— Prinz Heinrich mit etwas lauerndem Blicke, die Gräfin Blend⸗.
heim lächelnd und die Marcheſa de Monterey y Vizcarro mit einem vornehmen Blicke, ſo ruhig und gleichgültig, als habe ſie ihn in ihrem Leben noch nicht geſehen.
Hatte Rodenberg gefürchtet oder gehofft, ſie würde nicht im Stande ſein, ihren vollen Blick auf ihn zu richten, dieſen zauber⸗ haften, unerträglich ſchönen Blick, ohne die geringſte Verwirrung
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