Ich bin Dir nah', Du ahnſt es nimmer! 29
„O ja, in der Goldenen Kanne, wo man vortrefklich dinirt und wo ein Zimmer iſt, das nach meinem Namen benannt wird.“
„Sie ſcheinen dort Stammgaſt zu ſein?“
„So iſt es— man muß irgend einen Winkel haben, wo man ſich behaglich fühlt und wo man für den größten Theil der übrigen Welt nicht auffindbar iſt— verheirathet bin ich nicht, wie Sie wiſſen.“
„Ich weiß es und freute mich darüber— ein Künſtler ſollte nicht heirathen— alſo in der Goldenen Kanne— und danke Ihnen für den Beweis des Zutrauens, den Sie mir durch Nennung Ihres Schlupfwinkels bezeigen; ich werde gewiß Gebrauch davon machen.“
So plaudernd, betraten die beiden jungen Leute abermals die Gallerie, wo geſpielt wurde, und hatten dieſelbe faſt durchſchritten, als ſich Herr Mathieu Rodenberg näherte und ihm in jenem Flüſter⸗ tone, welcher ihm eigen war und dem er gern ein ſanftes Lächeln der Protection beifügte, ſagte:„Seine Königliche Hoheit haben ſchon zweimal nach Ihnen gefragt.“
„Und Sie beauftragt, nach mir zu ſehen, mein lieber Herr Mathieu?“
„Das gerade nicht mit ausdrücklichen Worten, denn ich ſtand ungeſehen hinter einer Pflanzenwand, als Seine Hoheit ſagten: „Wo kann denn Rodenberg wohl ſein?“ und das mit einer Be⸗ tonung auf ‚wor, die mich veranlaßte, augenblicklich nach Ihnen zu ſehen.“
„Ich danke Ihnen recht ſehr, und wenn der Fürſt das Wo⸗ betont hat, ſo muß ich mich allerdings ſehen laſſen.“
„Ich laſſe Sie jetzt, Rodenberg,“ ſagte Lord Warren—„viel⸗ leicht wäre es möglich, daß wir beim Souper zuſammenſäßen?“
„Wenn ich nicht mit irgend einem Auftrage beehrt werde!“
„Auf alle Fälle will ich verſuchen, neben mir ein Gedeck frei zu halten.“
Rodenberg trat in den anſtoßenden Salon und von dori in Hackländer's Werke. 56. Bd. 3


