26 Fünfundvierzigſtes Kapitel.
„Das thue ich auch ſo viel, als in meinen Kräften ſteht— fürchte mich aber, ehrlich geſagt, weder vor dem Sturze, noch vor dem Abgrunde— ach, wenn Sie wüßten, Lytton, wie ſatt ich dieſe een und Treiben habe, wie hundertmal ich es ſchon bereute, den Künſtler in mir zum gehorſamen Knechte gemacht zu haben und die edle Kunſt ſelbſt zur dienſtbaren Magd, über deren Arbeit man gnädig lächelt, ein wenig in die Hände klatſcht, während man charmant liſpelt oder deliciöbs und dabei an das Souper von ſpäter denkt und berechnet, daß der Nachbar einen viel gnädigeren aller⸗ höchſten Blick erhalten!“
„Und doch iſt dieſes Leben in gewiſſer Beziehung intereſſant zu nennen.“
„Für Sie allerdings, der Sie in Ihrer Stellung außerhalb, ich möchte ſagen, über dieſem Getreibe ſtehen— ja, Ihre Stellung iſt beneidenswerth, und ich habe mir ſchon oft vorgenommen, wenn ich wieder auf die Welt käme, entweder ein Rafael, oder ein Millionär oder der Geſandte einer Großmacht an irgend einem kleinen Hofe zu werden.“
„Und warum nicht der Geſandte einer kleinen Macht an einem großen Hofe— Sie hätten da noch weniger Arbeit!“
„Richtig, aber auch weniger Anſehen, und ich bin ziemlich ehrgeizig.“
„Ich weiß das, und aufſtrebend,“ ſagte Lord Warren mit einem ſchlauen Blicke. Wenn ich an jene Zeit zurückdenke, wo wir jünger waren und deßhalb glücklicher, und ich mir den wilden Jäger vergegenwärtige, wie er jene Zauberin, jenes Wunderweſen an das Hoflager des Prinzen Maiwein, an mein Hoflager geleitete, ſo ſchaute ich ihm mit Bewunderung, wenn auch mit etwas Neid zu— Sie hatten ſich keine geringe Aufgabe geſtellt!“
„Ohne ſie löſen zu können— es war das ein ſchöner Traum,
gleich belohnend für uns Alle!“
„Doch wahrſcheinlich für den Einen mehr, für den Anderen weniger,“ lächelte der junge Engländer—„Sie hatten doch das voraus, ſie durch den duftigen, ſchönen Wald begleiten zu dürfen


