Teil eines Werkes 
56. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Ich bin Dir nah', Du ahnſt es nimmer! 25

Wichtiges zu arbeiten vorfand, womit ich erſt vor einer Stunde fertig wurde es betrifft die Verheirathung Ihres Fürſten.

Ja, man ſpricht davon.

Man ſpricht hier weniger davon, als man eifrig handelt ich glaube, daß dieſe Angelegenheit ihrem Abſchluſſe nahe iſt.

Glauben Sie in der That? fragte Rodenberg, wobei der Ton ſeiner Stimme hohes Intereſſe verrieth.

Darüber ſollte ich mir eigentlich von Ihnen einen richtigen Wink geben laſſen von Ihnen, dem Günſtlinge des Fürſten.

Der von manchen Dingen weniger weiß und erfährt, als der kleinſte Beamte des Hofes, und der froh iſt, von Sachen, die ihn nichts angehen, ſo wenig als möglich zu erfahren.

Darin haben Sie ſehr Unrecht in Ihrer Stellung muß Ihnen Alles daran gelegen ſein, klar zu ſehen und die Zukunft berechnen zu können in Ihrem eigenen Intereſſe, mein lieber Freund, und beſonders an einem Hofe wie der hieſige, wo es zwei mächtige, einander entgegenwirkende Parteien gibt mir ſcheint, Sie ſind ein ſehr vornehmer Herr geworden oder ein einfacher Künſtler geblieben!

Ich glaube und hoffe, das Letztere; ich vermag nicht zu intriguiren, kaum ein wenig zu protegiren ich laſſe die Sachen eben gehen und kommen, wie ſie wollen, denn ich hin nicht allmächtig genug, irgendwie in den Gang der Ereigniſſe einzugreifen.

Zugegeben doch muß ich, der Ausländer, Ihnen, dem Deutſchen, ein großes Wort Eures größten Dichters, den ich ganz verehre, anführen, Goethe's nämlich.

Ich weiß, darin waren Sie von jeher ſehr ſtark, lächelte Rodenberg.

Wie von unſichtbaren Geiſtern gepeitſcht, gehen die Sonnen⸗ pferde der Zeit mit unſeres Schickſals leichtem Wagen durch, und uns bleibt nichts, als muthig gefaßt die Zügel feſtzuhalten und bald rechts, bald links vom Steine hier, vom Sturze da die Räder wegzulenken.