Ich bin Dir nah', Du ahnſt es nimmer! 19
Zeit entrichten müſſen,“ worauf ihm der Andere lachend erwiedert hatte:„So ſind Sie Ihren Tribut noch ſchuldig geblieben, denn ich finde Sie weder ſtärker noch ernſter geworden— Sie ſehen aus wie damals, und ich freue mich über Ihre heiteren Mienen und Ihre leuchtenden Blicke!“
Und es war in der That ſo, wie Rodenberg ſagte— Lytton hatte ſich ſo gut wie gar nicht verändert, und wenn man allenfalls ſagen konnte, die Züge des jungen Mannes von damals, der eben in's Leben trat, ſeien etwas männlicher geworden, ſo hätte man das auch wohl ſo ausdrücken können, daß ſein Geſicht ſich geiſtiger entwickelt habe und aus dem blühenden Jünglinge ein ſchöner junger Mann geworden ſei. Dabei hatte er in ſeinem ganzen Weſen etwas außerordentlich Vornehmes, welches von einem einfachen, aber ſehr gewählten Anzuge unterſtützt wurde.
„Was meine heitern Mienen und leuchtenden Blicke anbelangt, ſo ſind ſie nur die Wirkung der Freude, Jemand von den früheren Gefährten gefunden zu haben— ich kann Ihnen nicht ſagen, wie angenehm mir das iſt!“
„Wann kamen Sie hier an?“
„Geſtern Abend, und hätte Sie ſchon aufgeſucht, wenn mir nur eine Minute Zeit geblieben wäre; doch mußte ich mich über Hals und Kopf in die Geſchäfte ſtürzen, welche in dieſem Augen⸗ blicke ſehr wichtiger Natur ſind.“
„Es wird Sie freuen, wenn ich Ihnen ſage, daß Walter ebenfalls hier iſt.“
„Hier, auf dem Balle?“
„Nein, aber in der Stadt— unſer guter alter Freund war nicht ſo glücklich,“ ſetzte er mit kaltem Lächeln hinzu,„eine ſo glänzende Laufbahn zu machen, wie ich.“
„Als ich es gehört, hat's mich ſehr gefreut, und ich wünſche Ihnen von Herzen Glück dazu— das heißt, wenn Sie ſich ſelbſt zufrieden und glücklich fühlen.“
„Wer kann das überhaupt von ſich ſagen, und wer würde es


