18 Fünfundvierzigſtes Kapitel.
Spiele zuzuſchauen, fühlte plötzlich, wie ſich leicht eine Hand auf ſeine Schulter legte, und hätte, ſich umwendend, vor Freude beinahe laut aufgeſchrieen, als er in das Geſicht Lytton's, des jetzigen Lord Warren, ſchaute. Da er ſich aber ſchon verſchiedene Jahre auf dem glatten Boden des Hofes bewegte, ſo hatte er auch gelernt, jeder Empfindung Meiſter zu werden, und that dies hier, trotzdem ihm der Andere ungemein herzlich entgegenlächelte, ihm ſeine Rechte darreichte und mit lauter Stimme ſagte:„Wie freue ich mich, lieber Rodenberg, Sie endlich gefunden zu haben!“ Dann ſchob er ſeinen Arm unter den des Malers und zog ihn mit ſich fort.
„Wer war denn das?“ fragte der alte General.
„Ein neuer Attaché der engliſchen Geſandtſchaft, Lord Warren.“
„Aus einem guten Hauſe und ſehr reich.“
„Er ſcheint den Herrn Rodenberg ſehr genau zu kennen.“
„Von Düſſeldorf her,“ ſagte der Freiherr von Schenk,„wo Lord Warren, ehemals Maſter Lytton, die Maler⸗Akademie beſuchte.“
„Es iſt etwas Eigenthümliches um dieſen engliſchen Adel,“ meinte der Staatsrath von Stumpfenfels;„heute ſind ſie Maſter gar nichts und morgen Lord Gott weiß was!“
„Das kommt bei uns auch vor,“ bemerkte der alte General; „ich kenne Leute, die vor einem Jahre noch ſehr einfache Legations⸗ räthe waren und heute in der Stellung von Großwürdenträgern ſind.“
„Durch ihre Verdienſte, aber nicht durch ihre Geburt!“
„Allerdings durch ihre unmenſchlichen Verdienſte!“—
Die beiden jungen Leute hatten das Spielzimmer verlaſſen und ſich in ein kleines anſtoßendes Cabinet begeben, wo Rodenberg hinter einer rieſenhaften Epheuwand ein ganz reizendes Plätzchen kannte, um unbelauſcht, ja, unbemerkt ein animirtes Geſpräch führen zu können. Dort ließen ſie ſich nieder, Jeder in einen kleinen Fau⸗ teuil, nachdem der Lord Warren zu dem Maler geſagt, indem er ihm herzlich beide Hände ſchüttelte:„Wie freue ich mich, Sie
en— ich ſinde Sie faſt unverändert, ein wenig ſtärker
wiederzuſehe doch iſt Beides der Tribut, den wir der
und ernſter geworden;
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