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20 Fünfundvierzigſtes Kapitel.
wagen, das in meiner Stellung zu thun?— Was iſt die Gunſt meines jungen Fürſten? Gibt ſie mir einen Halt? Nicht mehr, als ein ſchwankes Rohr auf ſchlüpfrigem Boden— doch macht mir das wenig Kummer— ich ſchwimme mit dem glänzenden Strome, ſo lange derſelbe ſo gütig iſt, mich zu tragen— kommen aber einmal die Wellen zu heftig— o, ſie werden nicht ausbleiben!— und werfen mich irgendwo an's Ufer, nun, ſo hoffe ich auch da meinen Weg finden zu können— doch was ſprechen wir von mir — laſſen Sie mich lieber von Ihrer Vergangenheit etwas hören.“
„Die iſt ſehr bald erzählt: mein älteſter Oheim ſtarb und ſo wurde ich Lord Warren— leider, möchte ich hinzuſetzen, denn nun wehrte ſich mein Vater mit Händen und Füßen dagegen, mich aber⸗ mals in die Welt hinauszulaſſen, beſonders zu Euch nach Deutſch⸗ land; meinte er doch damals ſchon, als ich zurück kam, ich hätte ſehr viel von dem leichten Sichgehenlaſſen der Künſtler angenommen, und um mich gründlich davon zu heilen, wurde ich beim verkörperten Gegenſatze aller Poeſie, beim auswärtigen Amte untergebracht, fing dann endlich als Attaché bei einem der kleinſten deutſchen Höfe an und bin jetzt ſchon Legations⸗Secretär geworden; hier hoffe ich einige Jahre zu bleiben, mit Ihnen behaglich zu leben und meinen lieben Olfers wiederzuſehen, dem ich ſogleich meine Ernennung hieher ſchrieb und der mir augenblicklich geantwortet, das allein könne ihn beſtimmen, wieder nach der Heimat zurückzukehren— ſo hoffe ich denn, daß er kommt, und da wir uns ziemlich vieler Freiſtunden erfreuen, ſo werde ich Zeit genug finden, um mit Euch nach der Weiſe der damaligen Zeit zu leben.“
„Ich hoffe, Sie haben die Kunſt nicht ganz bei Seite liegen laſſen— bei einem Talente wie das Ihrige wäre das wahrhaftig jammerſchade!“
„Ich danke Ihnen für das Compliment, habe mich deſſelben aber leider nicht allzu würdig gemacht— ſind doch Jahre ver⸗ gangen, daß ich keinen Bleiſtift in die Hand nahm, als um auf unerquicklichen Aktenſtücken trockene Notizen zu machen. Als ich


